Fördertochter ist 15 Milliarden Dollar wert

29. September 2004, 12:57
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Analysten haben Yuganskneftegas bewertet - Die Beamten dürften das Ergebnis ignorieren und die Förderlizenz entziehen, womit das Unternehmen fast wertlos wäre

Moskau – Zur Begleichung ausstehender Steuerschulden des Ölkonzerns Yukos plant der russische Staat den Verkauf der Yukos-Tochter Yuganskneftegas, die 62 Prozent des Konzernöls fördert. Wie nun das Wirtschaftsblatt‑ Vedomosti aus Konzern-und Regierungskreisen erfahren konnte, hat die zur Bewertung engagierte deutsche Investbank Dresdner Kleinwort Wasserstein (DKW) das Ergebnis ihrer Arbeit bereits vorgelegt. Demnach wurde der Kaufpreis für Yuganskneftegas mit 15 bis 17 Milliarden Dollar bewertet, was Analysten als adäquat einstufen und mindestens zehnmal über dem noch im Juli vom Staat angegebenen Preis liegt. Yukos hatte damals erklärt, der Staat plane Yuganskneftegas ohne Auktion zum Schleuderpreis von 1,5 Milliarden Dollar zu veräußern. Seither wurden auch einige potenzielle Käufer genannt – allesamt staatliche oder Kreml-loyale Konzerne. Sie alle leugneten ihr Interesse. Die meisten freien Mittel von sechs Milliarden Dollar hätte das neben Yuganskneftegas liegende Surgutneftegas.

Als großer Favorit gilt auch die demnächst fusionierenden Gasprom und Rosneft. Die angegebenen 15 bis 17 Milliarden Dollar wird keine russische Ölkompanie aufbringen können.

DKW-Bewertung ignorieren

Somit werden Behörden nach Auffassung von Branchenexperten die DKW-Bewertung ignorieren und mit anderen Methoden zu ihrem Ziel, die Kontrolle über Yuganskneftegas zu übernehmen, gelangen wollen.

Wie Steven Daschevski von der Investkompanie Aton die Situation beurteilt, habe sich die Regierung mit der DKW- Bewertung selbst in die Ecke getrieben. Nachdem nämlich Yukos 2,4 Milliarden Dollar Steuerschulden für 2000 schon bezahlt hat und die ausstehende eine Milliarde in den nächsten drei Wochen zu begleichen gedenkt, bleiben nur mehr vier Milliarden Dollar Steuerschuld für 2001 übrig. Zu ihrer Begleichung also bräuchte der Staat nun nur ein Viertel von Yuganskneftegas verkaufen.

Als Alternativmethode sei demnach wahrscheinlich, dass das Ressourcenministerium Yuganskneftegas einfach die Förderlizenz entzieht, womit sich der Wert der Firma schlagartig dezimiert.

Die Entscheidung darüber hatte der zuständige Minister Juri Trutnew für Ende September angekündigt. Lizenzentzüge waren gerichtlich bisher nicht leicht durchzusetzen, da im Fall Yukos aber der politische Faktor dazukommt, wird es am gewünschten Gerichtsbeschluss kaum scheitern. (sed, Der Standard, Printausgabe, 24.09.2004)

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    Zur Begleichung ausstehender Steuerschulden des Ölkonzerns Yukos plant der russische Staat den Verkauf der Yukos-Tochter Yuganskneftegas, die 62 Prozent des Konzernöls fördert

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