Besorgnis angesichts neuer Spannungen zwischen Kroatien und Slowenien

24. September 2004, 19:17
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Slowenischer Ministerpräsident Rop: "Unterstützen EU-Ambitionen Kroatiens nicht mehr" - Kroatischer Premier Sanader: "Eskalation vermeiden"

Zagreb/Laibach/Brüssel - Zwischen Kroatien und Slowenien ist ein seit langem schwelender Streit um die ungelöste Grenzfrage neu entbrannt. Wegen der vorübergehenden Festnahme von slowenischen Parlamentsabgeordneten auf kroatischem Boden äußerte die EU ihre Besorgnis. Sloweniens Regierungschef Anton Rop erklärte am Donnerstag, sein Land werde die EU-Ambitionen Kroatiens nicht mehr unterstützen. Eine Sprecherin des EU-Außenkommissars, Chris Patten, stellte fest, die Union warte nun auf Ergebnisse der kroatischen Ermittlungen.

Der Vorsitzende der nationalistischen Slowenischen Volkspartei (SLS), Janez Podobnik, der SLS-Abgeordneten Ivan Bozic und zehn weitere Slowenen waren am Mittwoch festgenommen worden, als sie im Gebiet der Piran-Bucht die strittige Grenzlinie ohne Dokumente überschritten hatten. Sie wurden inzwischen freigelassen.

Rop sagte, mit diesem Schritt entferne sich Kroatien von der EU. Slowenien ist seit Mai volles EU-Mitglied. Kroatische Parlamentarier zeigten sich über die Aussage empört. Der kroatische Präsident Stjepan Mesic erklärte hingegen, die "Grenzfrage" zwischen Slowenien und Kroatien könne nur mit Verhandlungen und nicht mit "Gewalt" gelöst werden. "Wir müssen uns an einen Tisch setzen und reden. Wenn das nicht möglich ist, wird man eine Arbitrage suchen", sagte Mesic.

Ministerpräsident Ivo Sanader (HDZ/Kroatische Demokratische Gemeinschaft) erklärte, Kroatien könne derartige Fälle nicht tolerieren. Man werde aber alles vermeiden, was zu einer Eskalation der Situation führen könnte. Außenminister Miomir Zuzul sah den illegalen Grenzübertritt der slowenischen Parlamentarier als "unverantwortliches Manöver", das über das übliche Maß eines Wahlkampfs hinaus gehe. In Slowenien wird am 3. Oktober ein neues Parlament gewählt.

Der noch nicht gänzlich definierte Grenzverlauf zwischen Slowenien und Kroatien auf der Halbinsel Istrien sorgt seit der Unabhängigkeit der beiden ehemaligen jugoslawischen Teilrepubliken im Jahr 1992 für Unstimmigkeiten zwischen Laibach und Zagreb. Dabei geht es vor allem den so genannten "Fischereikrieg" in der Adriabucht von Piran. (APA/Hina/STA/dpa)

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