Haare statt Computer

24. September 2007, 15:02
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Von "Frisur Agentur Franz" zu "Hauptsache Franz": Portrait einer Betriebsübergabe

Eltern-Kind-Beziehungen sind selten unkompliziert. Und Betriebsübergaben laufen nie problemlos ab. Umso schwieriger, wenn beides zusammenkommt: Die Übergabe eines Familienbetriebs an die nächste Generation. Der Wiener Friseursalon "Hauptsache Franz" im siebten Bezirk zeigt, wie es funktionieren kann.

Richtiger Zeitpunkt und klare Zielgruppe

Vor fünf Jahren übernahm Niki Franz den Salon seines Vaters Otto, der ihn 27 Jahre lang geführt hatte. Den Zeitpunkt der Übergabe hätten Vater und Sohn Franz wohl kaum besser wählen können: Es war die Zeit eines - altersstrukturbedingten - Generationswechsels in der Belegschaft. Nach und nach wurden die langjährigen Mitarbeiter des Vaters von jungen Kollegen abgelöst. Dadurch ersparte sich der Jungchef nicht nur Konflikte mit Mitarbeitern, die noch den autoritären Führungsstil des Vaters gewohnt waren. Mit dem jungen Team fiel es ihm auch leichter, aus dem Traditionslokal einen Friseur für ein "junges, modernes, aber nicht zu flippiges Publikum" zu machen. Niki Franz legt viel Wert auf diese Definition. "Wien ist für Friseure ein extrem hartes Pflaster. Wer seine Zielgruppe nicht klar abgrenzt, geht leicht unter", so der Junior.

Zwei Jahre später hatte Niki Franz genug Geld verdient, um an einen Umbau des Lokals denken zu können - offener, junger, moderner sollte es werden, passend zur neuen Zielgruppe. Aus "Frisur Agentur Franz" wurde "Hauptsache Franz", dazu kamen neue Visitenkarten, eine Homepage (noch in Bearbeitung), dann und wann eine Modenschau.

"Hörner abstoßen" bei der Konkurrenz

Die Impulse für diese Veränderungen holte sich Niki Franz von außen. Seine Lehrausbildung absolvierte er nicht im elterlichen Betrieb, sondern bei der Konkurrenz, "um mir die Hörner abzustoßen", wie er sagt. Danach fuhr er drei Monate durch Österreich, schnupperte in verschiedenen Betrieben Friseurluft und knüpfte Kontakte. Diese brachten ihm wenig später ein attraktives Jobangebot mit Chancen auf eine internationale Karriere ein, das er jedoch ablehnte. Wie schon sein Vater, Großvater und Urgroßvater wollte er selbständiger Friseur sein und "mit Haaren arbeiten, nicht mit Computern".

Für Übernahme und Umbau (Investitionsvolumen: rund 150.000 Euro) nahm er verschiedene Förderungen in Anspruch, die nötige Information dafür erhielt er von seiner Hausbank und einer Wifi-Beraterin. Mit seinem Steuerberater feilte er an der günstigsten rechtlichen Konstruktion der Übernahme (konkret: eine KG, an der auch sein Vater beteiligt ist).

Kein "Platzhirsch-Syndrom"

Der Rückzug aus dem Geschäft sei ihm nicht schwer gefallen, sagt Otto Franz: "Erstens war es ein langer Prozess, weil ich in den Jahren vor der Übergabe schon nicht mehr im vollen Ausmaß gearbeitet habe. Zweitens habe ich es gesundheitlich nicht mehr geschafft." Und drittens hat sich Franz senior noch nicht ganz von seinem Betrieb verabschiedet: "Er kommt immer wieder, geht herum, schaut, und kommentiert", sagt der Sohn. Von einem "Platzhirsch-Syndrom" - die für familieninterne Betriebsnachfolgen typische Unfähigkeit des Übergebers, den jungen Geschäftsführer allein walten zu lassen - könne man aber nicht sprechen, meint Niki Franz.

Früher war nicht alles besser

Ganz ohne Reibungen sei es aber auch nicht verlaufen. So habe der Vater, ein "klassischer Chef", den eher legeren Führungsstil des Sohnes anfangs nicht gelten lassen. "Wenn dann einer der Mitarbeiter meinen lockeren Stil ausgenützt hat, war es für ihn eine Bestätigung." Und Vater Otto gesteht: "Manchmal sagt man, dass es so, wie wir es damals gemacht haben, besser war. Aber das stimmt nicht. Die Gesellschaft ändert sich, da muss man offen sein." Eine Lehre habe er aus dem familiären Übergabeprozess jedenfalls gezogen: "Von Anfang an klar die Kompetenzen der ersten und der zweiten Generation festlegen. Das erspart eine Menge an Konflikten."(mas)

HAUPTSACHE FRANZ

Gegründet: 1972 durch Otto Franz

Übergabe: August 1999

3 Mitarbeiter

3 Lehrlinge

Umsatz: 210.000 €
(2003, nach Steuern)
  • Franz senior, damals im Salon
    foto: hauptsache franz

    Franz senior, damals im Salon

  • Franz junior...
    foto: hauptsache franz

    Franz junior...

  • ...und der Salon heute
    foto: hauptsache franz

    ...und der Salon heute

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