Porträt: ÖBB baut auf Immobilien-Entwickler Huber

23. September 2004, 18:32
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Langjähriger Porr-Manager und ÖVP-Mitglied wechselt zur Bahn

Wien - "Der neue ÖBB-Generaldirektor sollte ein guter Netzwerker sein, also gute Kontakte zur Politik haben", meinte ein Kontrollorgan der ÖBB unlängst. Der 44-jährige Baumanager Martin Huber, den der Aufsichtsrat heute, Donnerstag, zum neuen Vorstandssprecher der ÖBB gewählt hat, erfüllt dieses Kriterium perfekt. Der gebürtige Oberösterreicher ist sogar eingetragenes Mitglied der ÖVP. Von einer rein politischen Besetzung will der ÖBB-Aufsichtsrat aber nichts wissen, Huber habe sich im Hearing letztendlich als "der kompetenteste Bewerber" erwiesen, hieß es schon vor Tagen.

Kompetenz bescheinigen Huber auch langjährige Weggefährten aus der Baubranche, die klar der roten Reichshälfte zuzuordnen sind. Huber, studierter Betriebswirt und Familienvater zweier Söhne, war seit 1989 im Porr-Konzern tätig. Kollegen aus dem dortigen Vorstand trauen ihm die Führung der ÖBB durchaus zu. Porr sei schließlich ein ähnlich komplexer Konzern wie die neue ÖBB, mit einer Holding und zahlreichen Töchtern. Außerdem verfüge Huber als Porr-Vorstand auch über gute Auslandskontakte. Und gerade im Bau habe man "schließlich den Vorteil, auch in andere Gebiete hineinzuschauen".

Projekt- und Immobilienentwicklung

Auch die ÖBB gelten als einer der großen Kunden der Porr. Sie sind im Porr-Vorstand allerdings zuletzt von Wolfgang Hesoun betreut worden. Huber war in der Führung des Baukonzerns neben Akquisitionen, Hochbau und Projektentwicklung auch für die Projektfinanzierung und den Einkauf zuständig.

Seine Meriten verdient hat Huber in den vergangenen zwanzig Jahren vor allem in der Projekt- und Immobilienentwicklung. Von 1991 bis 1999 war der Baumanager in der Immobilientochter UBM tätig - von 1997 bis 1999 als Vorstand für Akquisitionen und Projektentwicklung. 1999 wechselte er in den Vorstand der Porr Projekt und Hochbau AG, seit 2003 saß er im Vorstand der Konzernmutter Porr AG.

Die Nominierung Hubers zum ÖBB-Vorstandssprecher kann also durchaus als Karrieresprung bezeichnet werden. Im Rennen hat er sich gegen weit arriviertere Manager durchgesetzt - vor allem gegen Asfinag-Chef Walter Hecke (57) und Telekom Austria-Vorstand Rudolf Fischer (51), der seine Kandidatur vergangene Woche zurückgezogen hatte. Insgesamt hatten sich 34 Interessenten um den ÖBB-Spitzenjob beworben. (APA)

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