Wien: Gemeinderat beschloss Ronacher-Subvention

29. September 2004, 12:59
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Opposition stimmte geschlossen dagegen

Wien - Der Wiener Gemeinderat beschoss am Donnerstag mit den SPÖ-Stimmen die Subventionen für den - von mehreren Seiten kritisierten - Umbau des Ronachers. Das bisherige Gastspiel-Theater soll in Zukunft als Musical-Spielstätte der Vereinigten Bühnen Wien (VBW) dienen. Auch über den Zeitpunkt der Fertigstellung gibt der entsprechende Antrag Auskunft - sie soll "voraussichtlich" im Herbst 2007 erfolgen.

Zur Ermöglichung der Finanzierung des Umbaus im Wege eines langfristigen Kredits wird den VBW ab Fertigstellung eine monatliche Förderung von maximal 260.000 Euro zur Rückzahlung gewährt. Das entspricht einer jährlichen Förderung von maximal 3,12 Mio. Euro - und zwar über einen Zeitraum von 15 Jahren. Der Gesamtbetrag beträgt somit 46,8 Mio Euro. Auch eine Förderung in Höhe der angelaufenen Bauzinsen am Ende der Bauphase ist vorgesehen.

Rechnungshof wird eingeschaltet

Bei der Opposition stieß der Subventions-Beschluss zum Ronacher-Umbau auf einhellige Ablehnung. Die FPÖ bemängelte, dass keine privaten Partner an Bord geholt wurden, während die ÖVP ankündigte, den Rechnungshof einschalten zu wollen. Die Grünen hingegen orteten "rückwärts gewandte Politik". Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S) zeigte sich über die Kritik eher erstaunt. Die Subvention wurde schließlich mit den Stimmen der SPÖ beschlossen.

FP-Kultursprecherin Heidemarie Unterreiner betonte, dass das neue Programm für das Ronacher nach dem Umbau immer noch völlig unklar sei: Man höre nichts von großen Eigenproduktionen, die nach der Eröffnung 2007 aufgeführt werden sollen. Die FP-Politikerin zeigte sich damit einverstanden, dass das Theater an der Wien als klassische Musikbühne genutzt werden soll. Für das Ronacher hätte man aber - wenn überhaupt - private Partner mit ins Boot holen sollen, wie dies in vielen Städten der Fall sei, meinte Unterreiner.

Über "tiefste Kolchosenpolitik" klagte VP-Kultursprecher Andreas Salcher. Dabei sei die hohe Investition ins Ronacher noch nicht einmal eine gute PR-Aktion, da das Haus äußerlich nach dem Umbau ebenso aussehe wie vorher. Die Wiener ÖVP werde sich deshalb bemühen, dass der Rechnungshof sich mit der Causa auseinander setze.

Für die Grün-Politikerin Marie Ringler stellte die gewaltige Subvention das Zeichen für eine "bürgerliche, konservative, rückwärtsgewandte Politik" des Kulturstadtrates dar. In die Oper anstatt die zeitgenössische Kultur zu investieren, sei eine grundfalsche Entscheidung: "Wir musealisieren uns selbst", befürchtete Ringler. Eine zweite Musical-Bühne in Zeiten zu errichten, da sich das Genre selbst überlebt habe, sei ebenfalls unverständlich. Dies sei "eine gewaltige Schwerpunktsetzung auf tönernen kulturpolitischen Füßen", zumal der Antrag der Vereinigten Bühnen Wien auf Subvention keine Auskunft darüber gebe, wie das Haus in Zukunft genutzt werden soll, so Ringler.

Pflegebedarf

Von der Opposition käme nur "heiße Luft", während die SPÖ Musik mache, unkte der Kultur-Sprecher der SPÖ Fraktion, Ernst Woller. Man investiere in die Weltmarke "Musikstadt Wien". Das neue Nutzungskonzept des Theaters an der Wien sei "der große Wurf dieser Stadtregierung". Nur so könne endlich die Lücke geschlossen werden, dass auch in Wien die zeitgenössische und barocke Oper aufgeführt wird. Man errichte also ein neues Opernhaus, das sich mindesten ex aequo mit der Staatsoper bewege.

"Wir haben Häuser, die wir so pflegen müssen, damit wir sie entsprechend verwenden können", meinte Mailath-Pokorny. Im Ronacher seien die entsprechenden technischen Voraussetzungen nicht vorhanden. Das Haus so zu belassen würde unter anderem bedeuten: "Schlechte Sitzverhältnisse, ein zu kleiner Orchestergraben, schlechte bis gar keine Belüftung, zu wenig WC-Anlagen."

Im Vorfeld des Beschlusses ist der Vorwurf der Budget-Überschreitung laut geworden. Denn der Umbau sollte lediglich 34,1 Mio. Euro kosten. Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S) hat zuletzt betont, dass der beschlossenen Betrag als "Maximal-Rahmen" zu verstehen sei. Es handle sich um die von den Finanzexperten der Stadt gewählte günstigste Finanzierungsform, so Mailath-Pokorny - der Berichte über eine "Kostenexplosion" zurückgewiesen hat. (APA)

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