Heftige Kritik von Universitäten an Erasmus-Kürzung: "Völlig falsches Signal"

16. Dezember 2004, 10:20
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Grazer Vizerektorin: "Mit gleich bleibendem Budget kann man nicht immer mehr Studierende finanzieren"

Graz - Heftige Kritik über die Deckelung der Erasmus-Stipendien auf maximal sechs Monate kam am Donnerstag von Seiten der Universitäten: "Man kann nicht mit gleich bleibendem Budget immer mehr Studierenden ein Studium im Ausland finanzieren wollen", so Roberta Maierhofer, Vizerektorin für Internationale Beziehungen an der Universität Graz. Studierende bekämen zu Unrecht signalisiert, dass ein zweites Auslandssemester nichts wert sei, so Sabine Prem vom Büro für internationale Beziehungen der Technischen Universität Graz. Bisher wurden für bis zu zwölf Monate Zuschüsse in der Höhe von 155 bis 255 Euro (je nach Gastland) gewährt.

Maierhofer und Prem stellen die einzige direkte Vertretung der Universitäten im österreichischen Erasmus-Beirat dar, der die Deckelung beschlossen hat. Auch das wird bemängelt: "Die Universitäten stellen 76 Prozent der Erasmus-Studierenden, sie finden sich aber nur mit zwei Stimmen und jener der ÖH, die die Studierenden vertritt, im Beirat wieder", kritisiert Maierhofer, die für eine ausgewogenere Zusammensetzung des Beirates plädiert. Weitere Stimmen halten zur Zeit u.a. Vertreter der Ministerien, Fachochschulen Pädagogische Akademien und Privatuniversitäten.

"Völlig falsches Signal"

"Für Studierende setzt man das völlig falsche Signal, dass ein zweites Auslandsemester nichts wert ist", meint wiederum Sabine Prem von der Technischen Universität Graz. Das sei ein Rückschlag hinsichtlich der Motivation, im Ausland länger zu studieren. Von den derzeit österreichweit rund 3.000 Erasmus-Studenten bleiben pro Jahr 1.000 länger als sechs Monate und 200 länger als zehn Monate im Ausland. "An der Grazer Technik sind 70 Prozent der Erasmus-Stipendiaten länger als sechse Monate im Ausland", so Prem.

Kritisch sei die neue Situation daher vor allem aber für Studierende der Technischen Universitäten. Das hätten auch Mails bestätigt, die sie als Vertreterin der Auslandsbüros der Universitäten im Erasmus-Beirat erhalten habe, so Prem. Viele Partner-Universitäten böten nämlich nur Jahresprogramme an. "Die Verträge mit den Universitäten im Ausland laufen bis 2006/07 und können nicht auf die Schnelle einfach in Halbjahresprogramme umgewandelt werden", gibt Prem zu bedenken. Beispielsweise habe die Wirtschaftsuni in Wien schon entsprechende Probleme mit Universitäten in Großbritannien, Irland und Spanien vermeldet.

"Kürzung der monatlichen Unterstützung sinnvoller"

An der Universität Graz bleiben rund 35 Prozent der Erasmusstudenten länger als sechs Monate im Ausland. "Wir brauchen weiterhin beide Optionen und können nicht zu Gunsten der Quantität die Flexibilität der Dauer aufgeben", betonte Maierhofer. Von Seiten der Universität versuche man, unterstützend einzuspringen. "Klar ist aber, das die Universitäten nicht in der Lage sind, alles abzufangen", so Maierhofer. Anstatt einer Deckelung auf sechs Monate erscheint ihre eine Kürzung der monatlichen Unterstützung sinnvoller. Wolle man von ministerieller Seite die Zahl und zugleich die Qualität der Auslandsaufenthalte steigern, werde aber an einer Erhöhung der budgetären Mittel nicht vorbeikommen, meint die Vizerektorin. Seit 2000 stehen trotz steigender und weiterer gewünschter Steigerungen der Stipendiatenzahlen in etwa die gleichen Mittel zur Verfügung: Von der EU kommen jährlich rund 2,25 Mio. Euro für die Zuschüsse, die vom Bildungsministerium verdoppelt werden. (APA)

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