Sammelklage gegen AWD: Firma weist Schadensersatzforderungen zurück

30. September 2004, 13:33
35 Postings

Bei Boden-Invest nur Vermittler und nicht Initiator oder Betreiber

Wien - AWD Österreich weist mögliche Ansprüche aus der von Konsumentenschutzminister Herbert Haupt (F) initiierten "Sammelklage" gegen den Finanzberater zurück.

AWD sei bei der angebotenen - laut Ministerium "zweifelhaften" - Kapitalanlage Boden-Invest weder Inititator noch Betreiber gewesen, und als Vermittler nicht für die Anlagepolitik des Kapital & Wert-Produktes verantwortlich, so AWD am Donnerstag in einer Pressemitteilung. AWD betont, dass sie auch nicht für die negative Wertentwicklung von Boden-Invest verantwortlich sei.

"Rechtsfremd und haltlos"

Wie AWD weiter ausführt, habe die Anlageentscheidungen allein die Geschäftsleitung von Kapital & Wert, eine Beteiligungsgesellschaft der Wiener Städtischen Versicherung, zu verantworten. Die gestrige Ankündigung des Bundesministers, durch den Verein für Konsumenteninformation (VKI) eine Sammelklage anzustreben, weist AWD als "rechtsfremd und haltlos" zurück. Sammelklagen seien nach geltender Gesetzeslage nicht zulässig, es gelte der Grundsatz der Einzelfallbetrachtung.

AWD habe als unabhängiger Finanzdienstleister zwischen 1992 bis 1996 Beteiligungen der Kapitalanlage "Flexibel" von Kapital & Wert nach den damaligen Kenntnissen der Marktgegebenheiten und gemäß dem von Kapital & Wert erstellten und veröffentlichten Beteiligungsprospekt nach dem Kapitalmarktgesetz vermittelt. Sämtliche Veranlagungs- und Verkaufsprospekte würden ausschließlich von Kapital & Wert als Emittent erstellt und verantwortet.

Zum Zeitpunkt der Vermittlung hätten die AWD-Berater nicht wissen und auch nicht vorhersehen können, dass sich die Performance der Beteiligung auf Grund der "temporär rückläufigen Entwicklungen auf dem heimischen Immobilienmarkt und durch die Anlagepolitik der Geschäftsleitung von Kapital & Wert mit der Aufnahme argentinischer Staatsanleihen" negativ entwickeln würde. Die Änderung der Anlagepolitik durch Kapital & Wert sei in den Jahren 1997 und 1998, also eindeutig nach der Vermittlung durch AWD geschehen.

Kunden auf Risiken hingewiesen

Vor Zeichnung der Beteiligung an Boden-Invest seien die Kunden auf die Chancen und Risiken hingewiesen worden, die mit einer Kapitalanlage dieser Art verbunden sind. In den Beratungsgesprächen vor Abschluss einer Anlage oder Beteiligung würden durch AWD generell keine Zusagen über Gewinne gemacht.

Im Übrigen werden die Anleger seit Zeichnung der Beteiligung regelmäßig von Kapital & Wert über den Fortgang der Investitionen und des Geschäftsverlaufs des Emittenten (Boden-Invest) durch die jährlichen Rechenschaftsberichte gemäß den gesetzlichen Bestimmungen des Kapitalmarktgesetzes informiert, betont AWD Österreich.

Abschichtungen laufend verbessert

Laut AWD würden sich zudem die Abschichtungen für die Zeichner laufend verbessern. Derzeit betrage die Wertentwicklung für Einmalzahler rund 115 Prozent, für Monatszahler rund 85 Prozent. Laut Prognoserechnungen seitens Kapital & Wert sollten sie in den kommenden Monaten wieder um einige Prozentpunkte steigen.

Wie AWD weiter ausführt, hat der VKI in fünf Fällen Klage gegen AWD im Namen von Anlegern der Boden-Invest eingebracht. Durch eine unrichtige Klagsführung des VKI sei dieser gezwungen gewesen, in einem Fall "Ruhen des Verfahrens" zu vereinbaren.

Sämtliche Gerichtskosten seien vom VKI zu tragen. Vier weitere Fälle seien vom VKI in erster Instanz gewonnen worden. In einem Fall sei die erstinstanzliche Entscheidung noch offen. In zwei weiteren Fällen habe AWD in erster Instanz gewonnen. (APA)

Share if you care.