Familie der britischen Geisel wirft US-Koalition "Sabotage" vor

25. September 2004, 11:44
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Übergangskabinett in Bagdad nichts als "Marionettenregierung"

London - Im Nervenkrieg um den im Irak entführten Briten Kenneth Bigley hat die Familie schwere Vorwürfe gegen die USA erhoben. Die US-geführte Koalition im Irak habe Angebote der irakischen Übergangsregierung zur Freilassung seines Bruders "sabotiert", sagte Paul Bigley am Donnerstag im BBC-Radio.

Einflussnahme der USA bestritten

Die US-Koalition im Irak habe verhindert, dass sein 62-jähriger Brunder aus der Gewalt der Extremistengruppe Tawhid wal Dschihad freikomme, sagte Paul Bigley. Die irakische Übergangsregierung sei über ihr Innenministerium zunächst zu der Freilassung bereit gewesen; jetzt aber stelle sich die Frage, ob es sich in Bagdad um eine "Marionettenregierung" der USA handle. Der irakische Staatssekretär für Sicherheitsfragen, Kassem Daud, bestritt in der BBC, dass die USA Druck auf Bagdad ausgeübt hätten. Diese Entscheidung habe Übergangsregierungschef Iyad Allawi allein getroffen.

Ein Sprecher des irakischen Innenministeriums hatte am Mittwoch angedeutet, dass die inhaftierte Irakerin Rahib Taha möglicherweise freigelassen werden könnte und war damit auf Forderungen der Entführer eingegangen. Ein Sprecher der US-Botschaft in Bagdad sagte wenige Stunden später, die multinationalen Truppen im Irak planten keine Freilassung weiblicher Gefangener.

Familie bittet um "Gnade"

Die Familie des Verschleppten bat in der Nacht zum Donnerstag in einer für die Entführer bestimmten Botschaft um "Gnade". "Seien Sie barmherzig, denn wir wissen, dass Sie das können. Lassen Sie Ken zu seiner Frau und seiner Familie zurückkehren", sagte Bigleys Sohn Craig. Auch die Frau des Entführten flehte wenig später die Entführer an, ihren Mann freizulassen. In Liverpool, der Heimatstadt Bigleys, appellierten der anglikanische Bischof James Jones und der Ulema Akbar Ali gemeinsam an die Kidnapper, "Erbarmen" zu haben.

Bigley und zwei US-Bürger waren am 16. September aus ihrem Haus in Bagdad verschleppt worden. Die beiden US-Bürger wurden von ihren Entführern inzwischen enthauptet. Die Zarqawi-Gruppe Tawhid wal Dschihad hatte damit gedroht, auch den Briten zu ermorden, sollten im Irak inhaftierte Frauen nicht freikommen. Die britische Regierung schloss am Donnerstag erneut Verhandlungen mit den Geiselnehmern aus.(APA/AFP)

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