Snooze-Taste

30. September 2004, 17:49
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++PRO & Contra --: Friedlich die Tot-Mann-Taste drücken und sich wie ein Zugführer allein im Führerhaus fühlen ...

+++Pro
Von Markus Mittringer

Gleich vorweg: Ich verhandle hier bloß die Weckfunktion meines Handys. Und eben dessen absolut unverzichtbare Fähigkeit, eine Snooze-Taste zu simulieren. Und die funktioniert genau so, wie sie unzählige Morgendämmerungen lang, bei meinem inzwischen pensionierten Braun getan hat: Einmal draufgedrückt, und schon ist man zurück im Reich der Träume. Ich kann das stundenlang machen, oder zumindest so lange, wie meine Blase - der eigentliche Wecker - das mitmacht. Wer nun aber glaubt, damit wäre das Einsatzprofil so einer Snooze-Taste erschöpfend beschrieben, der irrt gewaltig. Weit mehr noch als das schmerzlichsüße Verlängern der angeblich so ungesunden Halbschlafphase schlummert in meiner Lieblingsfunktion.

Es ist nämlich so, dass die zehnminütigen Läut-Intervalle meinen Morgen rhythmisieren. Und das hängt ursächlich damit zusammen, dass ich keinerlei Ansprache vertragen kann, ehe die ersten Espressi in mir sind, die Morgenzeitung von mir entjungfert wurde, mein Körper gebraust ist und meine Zähne geputzt sind. Und unter Ansprache verstehe ich jetzt nicht nur das mir völlig unverständliche morgendliche Mitteilungsbedürfnis diverser Familienmitglieder, sondern insbesondere auch die Gemeinheit Radio. Was einem da professionell frisch geduscht und hoch motiviert zugemutet wird, ist zu viel.

Und also unterbricht bloß das Handy alle zehn Minuten die Stille, und ich drücke friedlich die Tot-Mann-Taste und fühl mich wie ein Zugführer allein im Führerhaus. Und wenn es noch einmal mit mir spricht, bevor ich das Haus verlasse, stehen die Chancen gut, dass ich es auch mitnehme.

***

---Contra
von Fritz Neumann

Dinge, die man immer wieder tut, obwohl man sich nachher in den Hintern beißen könnte:

  • den Parkplatz hundert Meter vor der Haustür auslassen, weil sich sicher noch ein näherer findet.
  • den Fernseher aufdrehen.
  • mit dem Chef vom Dienst eine Diskussion beginnen.
  • zwei Stunden lang die Wohnung aufräumen, bevor die Traumfrau nach dreitägiger Absenz wieder einschneit und garantiert sowieso einen unabgewaschenen Teller oder eine ungegossene Pflanze oder eine unausgeräumte Waschmaschine oder eine Zeitung von gestern findet, die noch nicht im Altpapier gelandet ist.
  • mit dem Wolle "auf ein Bier" gehen.
  • dem Roman (vulgo "Berti") beim Samstagskick als letzter Mann in der letzten Minute beim Stand von 8:8 nach dem fünften noch ein sechstes Gurkerl geben wollen.
  • an den Neusiedler See fahren, weil der ORF-Teletext "Wind" angesagt hat.
  • nicht an den Neusiedler See fahren, weil der ORF-Teletext "null Wind" angesagt hat.
Ganz abgesehen davon, dass das sechste Gurkerl beim "Berti" ab und zu wirklich hinhaut, nimmt sich allmorgendlich die zwei- oder dreimalige Benützung der Schlummerfunktion des (Handy)-Weckers als vergleichsweise kleines Problem aus. Unnötig aber ist sie auf jeden Fall, die Handyweckerschlummerfunktion. Was nämlich würde man ohne Handyweckerschlummerfunktion tun? Man würde einfach gleich aufstehen. Oder aber man würde verschlafen. Schlecht?
(Der Standard/rondo/24/09/2004)
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