Veronika Kaup-Hasler wird "herbst"-Chefin

23. September 2004, 17:42
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Ab 2006 übernimmt sie die Leitung des Festivals von Peter Oswald

Graz - Das Gegenwartskunstfestival "steirischer herbst" wird ab 2006 eine Frau an der Spitze haben. Die 1968 in Dresden geborene und in Wien aufgewachsene Veronica Kaup-Hasler übernimmt das Festival von Peter Oswald. Oswald hatte im Jänner dieses Jahres bekannt gegeben, seinen 2004 auslaufenden Vertrag nur um ein Jahr verlängern zu wollen.

Veronica Kaup-Hasler war Dramaturgin in Basel und bei den Wiener Festwochen und arbeitete unter anderem mit Luc Bondy und Claus Peymann. Seit 2001 ist sie die künstlerische Leiterin des Festivals Theaterformen, das alle zwei Jahre in Braunschweig und Hannover stattfindet. Zudem ist sie Mitglied der Wiener Theaterjury, die über die Konzeptförderungen zu befinden hat

"herbst"-Präsident Kurt Jungwirth zeigte sich mit der Entscheidung "absolut zufrieden". Kaup-Hasler sei "ideal für den großen Spagat zwischen lokal/regional und international", habe großes Interesse am Mehrspartenfestival und verstehe es, auf Partner zuzugehen. Auch der Zeitpunkt der Entscheidung sei richtig gewesen, in Berücksichtigung der Vorlaufzeiten für die Programmierung 2006 und vor dem aktuellen "herbst".

Dagegen meinte Kaup-Hasler, die Zeit bis zu ihrem ersten "herbst" sei "ein bisschen knapp". Sie werde zwar sicher den bei den "Theaterformen" eingeschlagenen Weg der Erst- und Uraufführungen auch in Graz weitergehen ("Das ist ja auch das Wesen des steirischen herbstes, das kann man noch weiter ausbauen und viel radikaler formulieren.") und sich auch wie in Hannover und Braunschweig darum bemühen, in der Stadt sichtbare temporäre Zeichen zu setzen, die das Nicht-Theaterpublikum erreichen könnten, "aber das Konzept der 'Theaterformen' ist sicher nicht nach Graz zu übertragen."

Und weiter: "Es geht darum, danach neue Zeichen zu setzen und den Menschen wieder Lust zu machen - das ist mir in Hannover und Braunschweig gelungen, das wird hoffentlich in Graz nicht anders sein." Ihre Bedingung sei gewesen, "dass ich keine Schulden übernehme. Und ich werde die List-Halle anmieten, je nachdem ob ich sie mir leisten kann oder nicht." Der "herbst" war wegen der Helmut-List-Halle, deren Betrieb viel teurer kommt als erwartet wurde, in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Kaup-Hasler übernimmt somit ein schweres Erbe.

Kaup-Hasler setzte sich gegen 66 Mitbewerber durch, neun Kandidatinnen und Kandidaten waren in die engere Wahl gekommen. Der amtierende Intendant Peter Oswald begrüßt die Nachfolgelösung als "richtiges Signal", das vielen "blöden Gerüchten von einer Provinzialisierung" entgegenwirke. (cms, DER STANDARD, Printausgabe vom 23.9.2004/APA)

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