Investitionen dürften heuer wieder anziehen

30. September 2004, 13:35
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Die UNO-Konferenz für Handel und Entwicklung sieht heuer einen Aufschwung der weltweiten Direktinvestitionen - Österreich könnte die "Brückenkopffunktion" in den Osten verlieren

Wien - Die weltweiten Ausgaben für grenzüberschreitende Firmenverflechtungen haben 2003 mit 560 Mrd. Dollar (456 Mrd. Euro) - ein Minus zum Vorjahr von weiteren 18 Prozent - einen Tiefpunkt erreicht und dürften sich heuer dank stabilerer Entwicklung der Weltwirtschaft und besserer Gewinnsituation der Unternehmen erholen, erwartet der World Investment Report 2004 der Unctad (United Nations Conference on Trade and Development). Auch fortgesetzte Liberalisierungen und verbesserte Rahmenbedingungen wirkten förderlich.

Klar verstärke sich dabei der derzeit schon 60 Prozent des Volumens dominierende Trend zu Direktinvestitionen in den Servicesektor, vor allem in die Infrastruktur (Elektrizität und Telekom) aber auch in Unternehmensdienstleistungen.

Entwickelte Länder gehören bei den empfangenen Direktinvestitionen tendenziell zu den Verlierern, Asien - vor allem China - zieht die höchsten Direktinvestitionen an. (2003: 107 Mrd. Dollar im asiatisch-pazifischen Raum). In Entwicklungsländer wurde mehr direkt investiert, nach Osteuropa weniger.

USA weltweit größter Investor

Erneut waren 2003 die USA der weltweit größte Investor. Weniger im Ausland investierte dagegen die EU, deutsche Firmen haben im Vorjahr um 70 Prozent weniger investiert.

Nach Österreich sind 2003 rund 6,85 Mrd. Dollar (nach nur 952 Mio. Dollar in 2002) geflossen. Österreichische Unternehmen haben 7,08 nach 5,25 Mrd. Dollar im Ausland investiert. Der Wert strategischer Firmenbeteiligungen von Österreichern im Ausland betrug zum Jahreswechsel 2002/03 40,5 Mrd. Euro, die ausländischen Beteiligungen in Österreich repräsentierten einen Wert von 41,5 Mrd. Euro.

Nationalbankdirektor (OeNB) Peter Zöllner zieht positive Bilanz zur Internationalisierung, der Wert strategischer Firmenbeteiligungen im Ausland erreiche jetzt eine Quote von rund 21 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt.

Osturopa Invest-Platz Nr. 1

Auch 2003 ist fast die Hälfte der österreichischen Direktinvestitionen nach Osteuropa geflossen, wodurch der Anteil Österreichs an allen Neuinvestitionen in Mittel- und Osteuropa von 12,5 auf 15 Prozent gestiegen ist. Ob Österreich seine viel zitierte "Brückenkopffunktion" auch nach der Erweiterung behaupten werde können, sei schwierig zu beantworten, so Zöllner.

Laut einer groben Schätzung der OeNB ist jeder fünfte österreichische Investor ausländisch beeinflusst, also ein "Brückenkopf" für einen ausländischen Konzern. Von den 41,5 Mrd. Euro an passiven Direktinvestitionen sind mehr als ein Drittel in Firmen veranlagt, die selbst als Auslandsinvestoren auftreten. Dieser Anteil ist seit zwei Jahren leicht rückläufig.

Von einer Trendwende möchte Zöllner aber noch nicht sprechen. Allerdings könnte 2004 für Österreich ein schwächeres Direktinvestitionsjahr werden: Bis jetzt wurden rund zwei Mrd. Euro an passiven Direktinvestments verzeichnet, Hochrechnungen seien aber "verfrüht", da vieles - auf der Aktivseite etwa der Milliardendeal der OMV in Rumänien - noch nicht verbucht sei. (kbau/DER STANDARD Printausgabe, 23.09.2004)

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