Diskretion und Museumsqualität

24. September 2004, 22:26
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Die 22. Biennale des Antiquaires in Paris

Paris< -="" die="" 22.="" pariser="" antiquitätenbiennale="" (biennale="" des="" antiquaires)="" bietet="" vom="" 15.-28.="" 9.="" im="" carrousel="" du="" louvre="" der="" internationalen="" klientel="" luxus="" und="" museumsqualität.="" 107="" aussteller,="" davon="" ein="" drittel="" hochkarätige="" ausländer,="" inklusive="" ein="" halbes="" dutzend="" juweliere,="" erklären="" sich="" nach="" der="" ersten="" messewoche="" mit="" den="" verkäufen="" zufrieden,="" aber="" nicht="">

"Alle wichtigen internationalen Kunden sind zumindest einmal vorbeigekommen", versichert Sabrina Gismondi, deren Stand sich gleich am Eingang befindet. Sabrina und ihr Vater Jean Gismondi verkauften eine "à pont" genannte Kommode mit André-Charles Boulle-Marketerie (um 1720), sowie ein ziseliertes, vergoldetes Bronze-Wandleuchterpaar, das Pierre Gouthière zugeschrieben wird.

Preise für verkaufte Objekte werden in Paris prinzipiell nie mitgeteilt, um den Kunden die Diskretion zu garantieren. Das zwei Meter hohe Gueridon-Kandelaber-Paar des englischen Ebenisten George Bullock (um 1815), das vor Messebeginn bei Aaron (Paris) mit zirka 600.000 Euro angesetzt war, kaufte beim Gala-Dinner am 13. 9. ein amerikanischer Sammler etwas billiger.

Eine neue Tendenz in Paris ist das verstärkt vertretene 19. Jahrhundert. François Fabius, Spross einer der ältesten Antiquitätenhändlerfamilien und Bruder des sozialistischen Expremierministers Laurent Fabius, ist der einzige Aussteller der Biennale, der von sich aus seine Verkäufe mitteilt.

An seinem auf das späte 19. Jahrhundert ausgerichteten Stand mit Skulpturen, Möbeln und Gemälden im Preisbereich bis 1,5 Mio. Euro wurden sechs Objekte zwischen 5000 bis 600.000 Euro verkauft: u. a. eine Keramikvase von Auguste Rodin (an das Rodin Museum) und eine Bronzeskulptur von Antoine-Louis Bayre (an einen US-Käufer). Die Altmeistergemäldehändler waren generell weniger erfolgreich.

Eine der Entdeckungen der Biennale befindet sich bei Krugier/Ditesheim (Genf), die ein lange Zeit verschollenes, großes Gemälde von Gustave Courbet anbieten: Zigeunerin und ihre Kinder, das zehn Mio. Euro kostet. Weiters Pablo Picassos frühes Porträt seiner Schwester für 23 Millionen Euro. Den größten Stand gestalteten heuer Bernard und Benjamin Steinitz.

Als Innenwände dienen die roten Eichen-Boiserien des Stadtpalais Bois de l'Etang, die um 1735 mit Chinalackeinsätzen und vergoldeten Bronzerahmen- und Spiegeln geschmückt wurden. "Ein Preisgespräch ist ein privilegierter Moment zwischen mir und dem potenziellen Käufer", philosophiert Bernard Steinitz, der den Geldwert dieser außergewöhnlichen Holzwände geheim hält.

Jedoch bereit ist, die 480.000 Euro, die er für seine mit einem Pfau bestickte Seidentischdecke erwartet, mitzuteilen. Fazit dieses Zwischenberichtes: Je härter das wirtschaftliche Umfeld, umso diskreter werden die Geschäfte.
(Olga Grimm-Weissert / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.9.2004)

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