Huber wird Vorstandschef der Bahn

29. September 2004, 13:03
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Aufsichtsrat wählt Baumanager in die Führung der ÖBB-Holding - Vorm Walde zieht sich mit Bezügen eines Generaldirektors in Personenverkehrs AG zurück - mit Infografik

Wien – Die Bestellung des neuen ÖBB-Chefs Martin Huber durch den Aufsichtsrat ist am Donnerstagnachmittag einstimmig gefallen. Der 44- jährige Vorstand des Baukonzerns Porr übersiedelt mit November in die ÖBB Holding AG, die Dachgesellschaft der in den vergangenen Monaten komplett neu aufgestellten Bahn. Er löst mit 1. Jänner 2005 Rüdiger vorm Walde an der Bahnspitze ab und bildet mit Erich Söllinger, zuständig für die Finanzen, den künftigen Zweiervorstand in der Leitgesellschaft.

"Huber ist die richtige Person an der richtigen Stelle", sagte ÖBB-Aufsichtsratschef Wolfgang Reithofer zur Personalentscheidung. "Huber ist seit vielen Jahren in einem Konzern tätig, der mit einer Dachgesellschaft und vier operativen Töchtern ähnlich strukturiert ist wie die neue ÖBB. Diese Erfahrungen werden ihm nützen."

Vorm Walde behält Bezüge

Vorm Walde, der vor drei Jahren von Exverkehrsministerin Monika Forstinger von den Berliner Verkehrsbetrieben an die Spitze der ÖBB geholt wurde, wird Huber bis Jahresende in der Holding zur Seite stehen und sich dann mit dem Vorstandsjob in der Personenverkehrs AG bescheiden. "Meine Wurzeln liegen eindeutig im Personenverkehr, eine operative Tätigkeit ist das Richtige für mich", sagte vorm Walde. Seine Bezüge als Generaldirektor laufen bis Mitte 2006 weiter. "Das ist nie zur Diskussion gestanden", sagte Reithofer.

Vorm Walde verdient inklusive 25-prozentigem Erfolgsbonus rund 480.000 Euro pro Jahr. Huber, der auf fünf Jahre bestellt wurde, muss sich dem Vernehmen nach mit weniger bescheiden. "Eine spannende Zeit steht bevor", sagte er.

Fliegender Start

"Wir werden einen fliegenden Start hinlegen zum 1. Jänner und uns bemühen, die einzelnen Gesellschaften strategisch weiterzuentwickeln." Personenverkehr und Güterverkehr seien die Leitgesellschaften der neuen Bahn, der Markt müsse aggressiver bearbeitet, die Erlöse gesteigert werden. Parallel dazu seien die Kosten im Griff zu behalten.

Unter der Holding wird es ab kommendem Jahr neben der Personenverkehr AG und der Güterverkehr AG zwei weitere Aktiengesellschaften geben: die Infrastrukturbau- und die Infrastrukturbetriebsgesellschaft. Die unmittelbare Verantwortung für den Infrastrukturteil übernimmt in der Holding Neochef Huber; sein Kollege Söllinger verantwortet Personen- und Güterverkehr.

SPÖ und Grüne sprachen am Donnerstag von einer parteipolitischen Entscheidung. Huber ist eingetragenes VP- Mitglied. Im Vorfeld der Personalrochade an der Spitze der ÖBB hatte zunächst auch der Chef der Mautgesellschaft Asfinag, Walter Hecke gute Karten, zumal er die Unterstützung von Infrastrukturminister Hubert Gorbach (FP) hatte. Nach der Wahlschlappe der FP in Vorarlberg habe sich das Blatt aber eindeutig zugunsten von Huber gewendet. Reithofer dazu: "Ich habe während der gesamten Vorstandsbestellung keinen Anruf eines Politikers erhalten."

Als Geschäftsführer der ÖBB Dienstleistungs GmbH hat der ÖBB-Aufsichtsrat Franz Nigl bestellt, derzeit Personalchef bei der Telekom Austria. Den Vorstand der Rail Cargo Austria vervollständigt Gustav Poschalko, Chef der Speditionsholding. Die Entscheidung, wer den Immobilienbereich leiten soll, wurde vertagt.(Günther Strobl, Der Standard, Printausgabe, 24.09.2004)

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    Martin Huber wurde heute in die Führung der ÖBB-Holding gewählt

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