Ferrero lobt sich zum Abschied selbst

26. September 2004, 19:11
29 Postings

Scheidende Außenministerin über ihre Amtsführung: "Standfestigkeit und europäischer Geist"

Wien - Zehn Jahre Außenpolitik in 20 Minuten - so viel Zeit blieb Noch-Außenministerin Benita Ferrero-Waldner am Mittwoch, um Abschied vom Nationalrat zu nehmen und Bilanz zu ziehen.

Die künftige EU-Kommissarin zeigte sich "stolz und dankbar", dass sie als Staatssekretärin und Außenministerin dabei gewesen sei. Sie habe das Amt der Außenministerin mit "Standfestigkeit und im europäischen Geist" geführt. Ferrero-Waldner betonte die Bedeutung der Entwicklungszusammenarbeit und die Globalisierung der österreichischen Außenpolitik.

Besonders euphorisch über die neue Rolle von Außenministerin Benita Ferrero-Waldner als EU-Außenkommissarin zeigte sich Bundeskanzler Wolfgang Schüssel. Es sei nicht nur eine Pointe der Geschichte, sondern eine große Befriedigung, dass Ferrero kurze Zeit nach den Sanktionen diesen Posten einnehmen könne: Vor vier Jahren quasi noch in der Schmuddelecke und nun praktisch für die ganzen Außenbeziehungen der Union zuständig.

Aber auch von der Opposition gab es lobende Worte. Sowohl SPÖ-Klubchef Josef Cap als auch Grünen-Chef Alexander Van der Bellen zeigten sich optimistisch, dass die gescheiterte Präsidentschaftskandidatin in ihrer neuen Rolle als EU-Kommissarin etwas bewegen wird können.

Josef Cap tat dies sogar mit Krawatte, ein ungewöhnlicher Anblick, den ÖVP-Klubchef Wilhelm Molterer als "besondere Ehre" für Ferrero-Waldner würdigte. Cap wiegelte sogleich ab: Er habe einfach "Lust auf Krawatte" gehabt, diese Lust habe nur zufällig mit der Abschiedsrede der Außenministerin korreliert.

Laut einer News-Umfrage sind mehr als drei Viertel der Österreicher dagegen, dass Bundeskanzler Schüssel auch nur dem Beginn von EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei zustimmt. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan wird am Donnerstag versuchen, im Gespräch mit EU-Erweiterungskommissar Günter Verheugen die jüngste Krise im türkisch-europäischen Verhältnis aus der Welt zu schaffen. (DER STANDARD, Printausgabe, 23.9.2004)

  • Trotz allen Streits um die Pensionen war es der Tag von
Benita Ferrero-Waldner im Parlament. Die scheidende
Außenministerin und künftige EU-Kommissarin sagte am
Mittwoch Auf Wiedersehen. 

Und vergaß dabei auch nicht
auf Lob für sich selbst: Ferrero-Waldner würdigte ihre
"Standfestigkeit" und den "europäischen Geist". Zum
Abschied geküsst wurde sie vom Kanzler, Vizekanzler und dem ÖVP-Klunchef.
    foto: cremer

    Trotz allen Streits um die Pensionen war es der Tag von Benita Ferrero-Waldner im Parlament. Die scheidende Außenministerin und künftige EU-Kommissarin sagte am Mittwoch Auf Wiedersehen. Und vergaß dabei auch nicht auf Lob für sich selbst: Ferrero-Waldner würdigte ihre "Standfestigkeit" und den "europäischen Geist". Zum Abschied geküsst wurde sie vom Kanzler, Vizekanzler und dem ÖVP-Klunchef.

Share if you care.