Nach zehn Jahren lässt die Stadt "Echo" leise verhallen

29. September 2004, 21:25
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Betreuungsverein für Jugendliche der zweiten Migrantengeneration vor dem Aus - gegen Pläne der Stadt gesträubt

Weil sich der auf die Betreuung von Jugendlichen der zweiten Migrantengeneration spezialisierte Verein gegen Betreuungskonzepte und Pläne der Stadt sträubt, wird dem - von der Stadt oft als Vorbild präsentierten - Projekt der Geldhahn zugedreht.

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Wien - Man muss ja nicht so weit gehen wie die Junge ÖVP und der Wiener Stadtregierung "stalinistische Gleichschaltungsmethoden" vorwerfen - Frank Stronach genügt vollauf. Denn dessen "Wer das Gold hat, macht die Regeln" beschreibt die (Wiener) Realpolitik ohnehin trefflich.

Aktuelles Beispiel: Der seit zehn Jahren in der Betreuung von Migranten-Jugendlichen aktive Verein "Echo" steht vor dem Aus. Weil - so die Lesart der "Echoten" - man nicht bereit sei, sich bedingungslos den Wünschen des Ressorts von Jugendstadträtin Grete Laska (SP) zu unterwerfen, sollen die Gelder für 2005 (etwa 400.000 Euro) gestrichen werden.

Mehr noch: Die Gelder, die den Betrieb des auf Selfempowerment für Jugendliche spezialisierten Vereines im vierten Quartal 2004 sichern, dürften nicht ausbezahlt werden. Für die Abfertigungen der Echo-Mitarbeiter, so die Begründung, müsse Geld vorhanden sein.

Stadt will Jugendsozialarbeit neu strukturieren

Offizieller Grund für das Ausbremsen des von ebenjenen Politikern und Beamten, die jetzt das "Aus" besiegeln stets als exemplarisch und vorbildlich gelobten Projektes: Die Stadt will ihre Jugendsozialarbeit neu strukturieren. "Was Echo vor zehn Jahren begonnen hat", heißt es aus Laskas Büro, "wird heute auch andernorts sehr gut umgesetzt." Der Verein (mit vielen muttersprachlichen Sozialarbeitern, Anm.) habe Angebote sich "neu zu orientieren" (etwa sich statt um Migrantenkids um die Punks der Mariahilfer Straße zu kümmern, Anm.) ausgeschlagen - irgendwann sei eine Entscheidung angestanden.

Sicht von Echo ist eine andere

Die Sicht von Echo ist eine andere - und wird auch von der Grünen Stadträtin Maria Vassilakou geteilt: Der Verein sei immer unbequem gewesen, habe sich nicht von der Stadt instrumentalisieren lassen. Und habe - vor allem - mit der Zeitschrift Echo eine eigene Stimme gehabt.

Dass ebenjene verstummen soll, sei mitnichten gewollt, heißt es aus Laskas Umfeld: man habe ja auch angeboten, das Blatt - und drei Echo-Mitarbeiter - in den Verein ICE (Vereinszweck: die "Förderung von Medienaktivitäten im schulischen und außerschulischen Bereich") zu integrieren. Was nicht erwähnt wird: Zwei der drei ICE-Vorstände sind SP-Gemeinderäte. Über Subventionsprobleme des Vereines ist nichts bekannt. (Thomas Rottenberg/DER STANDARD, Printausgabe, 23.9.2004)

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