Serbien: Kronzeugen in Fällen Djindjic und Stambolic in Lebensgefahr

23. September 2004, 19:25
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Neuer Leiter der serbischen Polizeieinheit für Zeugenschutz bestellt

Belgrad - Zwei Kronzeugen der Prozesse vor einem Belgrader Sondergericht gegen die mutmaßlichen Mörder des serbischen Regierungschefs Zoran Djindjic im März 2003 und des ehemaligen serbischen Präsidenten Ivan Stambolic im August 2000 sollen mit dem Tod bedroht worden sein. Die Belgrader Wochenzeitschrift "Nedeljni telegraf" berichtet in ihrer Mittwoch-Ausgabe, dass die Polizei am Wochenende Anschläge auf die beiden Kronzeugen - den früheren Angehörigen der landesweit führenden Mafia-Gruppe im Belgrader Stadtviertel Zemun, Miladin Suvajdzic, und den ehemaligen Angehörigen der Sonderpolizei-Einheit "Rote Barette", Nenad Skare - verhindert habe.

Die Angaben der Zeitschrift über die vereitelten Attentate auf die beiden Kronzeugen wurden von offiziellen Stellen nicht bestätigt. Dass die Polizeieinheit für den Schutz von Kronzeugen einen neuen Leiter bekommen habe - wie vom "Nedeljni telegraf" ebenfalls berichtet - wurde hingegen bestätigt.

Ausschluss der Öffentlichkeit

Skare war früher Leibwächter des ehemaligen Kommandanten der "Roten Barette", Milorad Lukovic (geboren Ulemek, genannt "Legija"), der als Hauptorganisator der beiden Morde gilt. Seine Aussage in der Causa Stambolic erfolgte am Mittwoch vor dem Belgrader Gericht zur Bekämpfung der Organisierten Kriminalität unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Skare hatte im März des Vorjahres der Polizei die Stelle unweit der Vojvodina-Hauptstadt Novi Sad gezeigt, wo Stambolic nach der Entführung durch die "Roten Barette" ermordet worden sein soll.

Derselbe Zeuge hatte zuvor Lukovic mit jener Waffe in Verbindung gebracht, mit der im Vorjahr Regierungschef Djindjic ermordet worden war. Suvajdzic hatte bereits im Lauf der polizeilichen Ermittlungen die "Roten Barette" mit der Zemun-Mafia in Verbindung gebracht.

Bereits im März war in Belgrad ein wichtiger Zeuge im Prozess gegen die Mörder von Regierungschef Djindjic ermordet worden. Die Täter wurden nicht gefasst. (APA)

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