Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Vergiftung Juschtschenkos

30. September 2004, 19:40
posten

Aussichtsreicher Präsidentschafts-Kandidat war in Wiener Spital behandelt worden

Kiew - Die ukrainische Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen wegen der möglichen Vergiftung des Oppositionspolitikers Viktor Juschtschenko eingeleitet. Bei der Strafsache gehe es um "versuchten Mord an einem Staatsmann oder einer Person des öffentlichen Lebens", wie die Behörden am Mittwoch in Kiew mitteilten. Unklar blieb, ob es bereits Verdächtige gibt. Die Staatsanwaltschaft kündigte an, sie werde ihre österreichischen Kollegen um Unterstützung bitten. Juschtschenko gilt laut Meinungsumfragen als aussichtsreicher Kandidat für das Präsidentenamt.

Der Fall hatte weit über die Landesgrenzen hinweg Aufsehen erregt: Der 50-jährige Politiker war erst vorigen Samstag aus einem Krankenhaus in Wien entlassen worden. Dort war Juschtschenko eine Woche lang wegen mehrerer akuter Erkrankungen behandelt worden, er hatte sich mehr als zwei Wochen lang über anhaltende Übelkeit beklagt.

Kommission soll untersuchen

Das ukrainische Parlament stimmte am Dienstag für die Einsetzung einer Kommission, die den Vorfall untersuchen soll. Juschtschenko sagte zu den Abgeordneten, er traue der Kutschma-Regierung durchaus ein politisch motiviertes Attentat zu. Bei seinem Auftritt war der Oppositionspolitiker abgemagert und teilweise gelähmt, das Gesicht war rot und geschwollen, ein Auge zuckte permanent. Die Ärzte in Wien konnten den Vorwurf einer Vergiftung weder bestätigen noch ausschließen.

Die Ukrainer wählen am 31. Oktober einen neuen Präsidenten: Der autokratisch regierende Amtsinhaber Leonid Kutschma kandidiert nach zehn Jahren nicht mehr, er unterstützt den derzeitigen Ministerpräsidenten Viktor Janukowytsch. Beide haben sich bisher nicht öffentlich zu den Vorfällen geäußert. Allerdings haben verschiedene Verbündete Kutschmas gemutmaßt, Juschtschenko habe wohl nur verdorbenes Sushi gegessen. Nach einer kürzlich veröffentlichten Meinungsumfrage würden in der ersten Runde 30 Prozent der Wähler für Juschtschenko stimmen und 25 Prozent für Janukowytsch. Die mögliche Stichwahl soll im November stattfinden. (APA/AP)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Viktor Juschtschenko könnte Opfer eines Giftanschlags geworden sein

Share if you care.