Team abzugeben, nicht billig

7. Oktober 2004, 16:34
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Trotz Ford-Rückzug gibt man sich vor der Premiere in Schanghai bei Jaguar kämpferisch: "Die Mannschaft ist weiterhin voll motiviert"

Shanghai - Tony Purnell, Jaguar-Boss und Teamchef des österreichischen Formel 1-Piloten Christian Klien, hat am Donnerstag im Vorfeld des Grand Prix von China in Shanghai zur Zukunft des britischen Rennstalls, der nach dem beschlossenen Ford-Rückzug mit Ende der Saison zum Verkauf steht, Stellung genommen. "Es gibt großes Interesse, wir müssen aber die seriösen potenziellen Käufer herausfiltern", verlautbarte der Engländer. Ford würde laut Purnell nur an einen Interessenten verkaufen, der eine realistische Zukunftsperspektive für mindestens zwei oder drei Jahre bieten könne.

Auflösung als Alternative

Die Alternative zu einem Verkauf wäre für Ford die Auflösung des Jaguar-Rennstalls, wobei eine Entscheidung bis spätestens 15. November getroffen werden muss, wenn die Nennungen der Teams für die WM-Saison 2005 bei der FIA eingelangt zu sein haben. Auf ein mögliches Engagement des österreichischen Red Bull-Magnaten Dietrich Mateschitz angesprochen, verweigerte Purnell jeglichen Kommentar. Ein Scheitern des Verkaufes würde der Jaguar-Boss als Ausdruck der Situation der Formel 1 insgesamt und weniger als Zeichen mangelnder Perspektiven seines Rennstalls werten.

Auf ein mögliches Engagement des österreichischen Red Bull-Magnaten Dietrich Mateschitz angesprochen, verweigerte Purnell jeglichen Kommentar. Ein Scheitern des Verkaufes würde der Jaguar-Boss als Ausdruck der Situation der Formel 1 insgesamt und weniger als Zeichen mangelnder Perspektiven seines Rennstalls werten.

Formel 1-Zampano Bernie Ecclestone, der erst in der Vorwoche bedauerte, das Jaguar-Team mangels Finanzkraft nicht schon 2003 ausgeschlossen zu haben, äußerte sich skeptisch zum möglichen Verkauf: "Es ist weniger eine Frage des reichen Käufers, als eine solche des Motorenherstellers hinter diesem." Doch das Motorenproblem könnte rasch behoben sein, sollte sich etwa Toyota, wie mehrfach angedeutet, dazu entscheiden, Aggregate an das Raubkatzen-Team zu liefern.

Klien hofft auf Erfolge

Der Schock ist gerade eine Woche alt und sitzt tief. Trotzdem geben sich Team und Fahrer vor dem Premieren-Auftritt der Formel 1 am Wochenende in Schanghai kämpferisch. "Ich gebe weiter mein Bestes und hoffe auf Erfolge. Mehr kann ich nicht tun", ist etwa das Motto von Christian Klien und Jaguar-Direktor David Pitchforth versprach: "Die Mannschaft ist weiterhin voll motiviert. Wir haben eine unglaubliche Woche hinter uns, in den vergangenen fünf Tagen haben unsere Mitarbeiter zum Teil Übermenschliches geleistet. Alle sind voll motiviert und auf die letzten Rennen konzentriert."

"Voll konzentriert meine Arbeit"

Zumindest diesbezüglich sollte sich Klien also keine allzugroßen Sorgen machen obwohl er weiß: "Natürlich sind meine Chancen für eine Formel-1-Zukunft besser, wenn ich in den letzten drei Rennen mein Potenzial wieder aufzeigen kann. Und das will ich unbedingt tun." Den GP in Schanghai als erstes Rennen nach der Ford-Entscheidung sieht er sogar positiv. "China kommt vielleicht zur rechten Zeit. Keines der Teams hat Basisinformationen und auch kein Fahrer hat hier Streckenkenntnisse. Ich lasse mich von Gerüchten weiterhin nicht beeinflussen und mache einfach voll konzentriert meine Arbeit."

Dass sich Jaguar noch lange nicht aufgegeben hat, beweist auch, dass in Milton Keynes das Interims-Modell für die WM 2005 mit vollem Elan weiterentwickelt wird. "Das Auto wird bereits das neue R6-Getriebe haben und kommende Woche in Jerez getestet", so Pitchforth. (APA/red)

  • Britischer Galgenhumor bei Jaguar: 'For Sale'.

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