"Unangebrachte Euphorie über Vorsorgeuntersuchung neu"

24. September 2004, 09:57
1 Posting

Wiener Ärztekammer lehnt baldigen Beschluss und Umsetzung ab: "Verschlechterungen für Patienten"

Wien - Als "unangebrachte Euphorie über die Vorsorgeuntersuchung neu" bezeichnete die Wiener Ärztekammer die Aussagen von Hauptverbands-Geschäftsführer Josef Probst, wonach die notwendige Neugestaltung der Vorsorgeuntersuchung möglichst bald beschlossen und umgesetzt werden soll. Tatsächlich gebe es noch gravierende Unterschiede in den Vorstellungen, was die Vorsorgeuntersuchung zukünftig alles können muss, betonte am Mittwoch Vorsorgereferent der Ärztekammer für Wien, Rudolf Hainz.

Gesundheitscheck für Unter-40-Jährige soll auf Beratungsgespräch reduziert werden

Nach den Vorstellungen des Hauptverbands soll der neue Gesundheitscheck für die Unter-40-Jährigen auf ein ausschließliches Explorations- und Beratungsgespräch über persönliche Risikofaktoren und Lebensstil reduziert werden, so Hainz. Bisher obligate Blut- und Harnuntersuchungen würden weitgehend wegfallen. Diese Reduzierung sei aus Sicht der Ärzteschaft vehement abzulehnen.

Erst ab 40 ein "allerdings sehr eingeschränktes" Laborprogramm

Erst in der Altersgruppe der Über-40-Jährigen soll ein - "allerdings sehr eingeschränktes" - Laborprogramm hinzutreten. "Ich sehe hier als einzige kleine Verbesserung für Patienten ab 50 Jahren eine Coloskopie (endoskopische Untersuchung des Dickdarms, Anm.) alle zehn Jahre", kritisierte Hainz. Natürlich seien Risikofaktorenerhebungen und Lebensstilberatungen wichtige Elemente ärztlicher Tätigkeit im Präventivbereich, trotzdem habe das neue Programm mit einer Vorsorgeuntersuchung im bisherigen Sinne sehr wenig zu tun und werde daher in dieser Form von der Wiener Ärztekammer abgelehnt.

Hauptverband will Beraterrolle der Ärzte ausbauen

Die Beraterrolle der Ärzte soll bei der Vorsorgeuntersuchung verstärkt werden. Mehr als bisher sollen auch die Erkenntnisse der modernen Lebensstil-Medizin in den Gesundheitscheck einfließen. Das sind zentrale Punkte der "Vorsorgeuntersuchung neu". Josef Probst, Geschäftsführer des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger, zeigte sich am Mittwoch optimistisch, dass eine Neugestaltung bald beschlossen und umgesetzt wird.

Der Arzt als "Coach"

Es gehe nicht nur wie bisher um die Früherkennung der verbreiteten Zivilisationskrankheiten, sondern auch um Aufklärung und Unterstützung bei der gesundheitsfördernden Veränderung des Lebensstils bei den Kernthemen Bewegung, Ernährung und Rauchen, so Probst über das neue Konzept. Der Mediziner soll coachen, bei Fragen zu diesen Themen Auskunft geben. "Ein Arzt kann natürlich nicht mit seinen Patienten laufen gehen, aber er kann zum Beispiel Sportgruppen vermitteln", sagte Primarius Dr. Gert Klima, leitender Chefarzt der steirischen Gebietskrankenkasse und medizinisch gesamtverantwortlich für das Projekt.

Koloskopie zur Darmkrebsvorsorge ab 50 Jahren

Für Menschen über 50 Jahre soll die Koloskopie zur Darmkrebsvorsorge in die Vorsorgeuntersuchung aufgenommen werden. "Wahrscheinlich nicht als zwingender Bestandteil, sondern als dringende Empfehlung", so Klima. In die Untersuchung sollen künftig das "gute" HDL-Cholesterin (high density lipoproteins), der Body-Mass-Index und Risikoanalysen (z.B. Vergleich Raucher-Nichtaucher) Aufnahme finden.

14 Prozent der Zielgruppe nimmt Angebot zum Gesundheitscheck wahr

14 Prozent der Zielgruppe (über 19 Jahre) lässt sich in Österreich im Jahr durchchecken. Statistisch gegen Leute alle drei Jahre zur Untersuchung. Trotz dieser international beachtlichen Zahl will man mit einem "Einladungssystem" in Form von Briefen jene erreichen, die nie zum Arzt gehen. (APA)

Share if you care.