Autowerkstätten im Osten weit billiger - aber weniger zuverlässig

30. September 2004, 13:36
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VKI untersuchte 24 heimische und ausländische Betriebe - Beste Auslandswerkstätte nur auf Platz acht - Mit Infografik

Wien - Die Autowerkstätten in den neuen osteuropäischen EU-Nachbarländern sind im Schnitt um 40 Prozent billiger, übersehen aber auch mehr Mängel als österreichische Betriebe. Zu diesem Ergebnis kommt ein aktueller Test des Vereins für Konsumenteninformation - (VKI).

Untersucht haben die Konsumentenschützer insgesamt 24 heimische und ausländische Werkstätten, die mit einem Auto-Service beauftragt wurden. "Die beste ausländische Vertragswerkstätte liegt im Test-Ranking erst auf Platz acht", berichtete VKI-Experte Franz Floss am Mittwoch in Wien.

Auch für Versicherer ein Thema

Günstigere Kfz-Reparaturen im benachbarten Ausland sind nicht nur bei Konsumenten ein Thema, sondern auch bei einzelnen Versicherern, die ernsthaft überlegen, von ihnen zu bezahlende Schäden in den Nachbarstaaten reparieren zu lassen.

In den neuen EU-Staaten ist die Mechanikerstunde zwar wegen der Lohnkosten deutlich niedriger, laut Floss bietet sie aber letztlich nur eine grobe Orientierung: "Vor allem beim Auto-Service in Vertragswerkstätten gibt es einen Pauschalbetrag, der unabhängig vom Arbeitsaufwand zur Verrechnung kommt.

Auch Ersatzteile sind im Ausland nicht billiger." Vergleicht man nicht die Mechanikerstunde, sondern vielmehr die tatsächlich verrechneten Servicekosten miteinander, ist der Abstand zwischen In- und Ausland schon weniger groß.

Laut VKI liegen die Durchschnittskosten in den Nachbarstaaten nahe beisammen - zwischen umgerechnet 159 Euro in Tschechien, 165 Euro in Ungarn und 166 Euro in der Slowakei. Der Durchschnittswert in Wien liegt demgegenüber bei 323 Euro, in Niederösterreich bei 267 Euro und im Burgenland bei 231 Euro.

Klare Ersparnis für Wiener

Für Wiener ergibt das eine klare Ersparnis - sie zahlen im benachbarten Ausland rund die Hälfte weniger als in der Bundeshauptstadt, wie der VKI erhoben hat. Deutlich niedriger ist der Preisvorteil der ausländischen Vertragswerkstätten im Vergleich mit jenen in Niederösterreich und dem Burgenland.

Floss: "Einzelne Werkstätten in diesen beiden Bundesländern können durchaus mit östlichen Betrieben mithalten."

Acht gängige Mängel

Für seinen Test hat der VKI acht gängige Mängel (wie etwa zu niedriger Reifendruck, zu wenig Bremsflüssigkeit oder ein defektes Bremslicht) in vier Test-Fahrzeuge (Ford Focus, Opel Vectra, Peugeot 205, VW Polo) eingebaut und sie in Vertragswerkstätten der jeweiligen Automarken zum Service gebracht.

Je vier Werkstätten in Wien, Niederösterreich (Nord) und dem Burgenland sowie Werkstätten in grenznahen Orten von Tschechien (Brünn), Ungarn (Sopron) und der Slowakei (Preßburg) - in Summe 24 - gingen an den Start, um sich in Mängelbehebung und Kundenservice zu messen.

"Insgesamt entdeckten heimische Betriebe 73 Prozent aller eingebauten Mängel, während die Kfz-Mechaniker in den benachbarten Grenzregionen nur 57 Prozent aller Fehler fanden", berichtete Floss.

Nur drei Betriebe fehlerlos

Fehlerlos hätten lediglich drei Betriebe gearbeitet - jeweils einer in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland. Die beste ausländische Werkstatt - ein Autohaus in Sopron - schaffte es hingegen nur auf Rang acht.

In Sachen Kundenbetreuung endete das "Nachbarschafts-Derby" unentschieden, die Ansprüche der VKI-Tester erfüllten aber nur drei der insgesamt 24 untersuchten Auto-Werkstätten zur vollsten Zufriedenheit.

Fazit

Fazit des VKI: "Wer sein Auto zu einer entsprechenden Vertragswerkstätte im Osten bringt, zahlt weniger für das Service. Allerdings zeigt der Test, dass ausländische Betriebe häufiger Mängel übersehen."

Bei heimischen Werkstätten ist das Service meist qualitativ besser, dafür muss man auch tiefer ins Geldbörsel greifen. Ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis sieht der VKI bei heimischen Betrieben im Burgenland und in Niederösterreich.

"Tauchen nach dem Service oder einer Reparatur Mängel auf, haben Konsumenten in der EU grundsätzlich zwei Jahre Recht auf Gewährleistung", gibt VKI-Experte Floss zu bedenken. Wer sein Auto allerdings im Ausland zum Service bringt, muss seine Rechte auch dort durchsetzen.

Taucht ein Mangel auf, heißt es nochmals in die Werkstätte fahren. Und das kostet Zeit und Geld. Das gilt es bei Reparaturen im Ausland zu bedenken. "Am besten schon bei Abholung des Fahrzeuges darauf schauen, dass die vereinbarten Arbeiten durchgeführt wurden bzw. der Schaden behoben ist", empfiehlt Franz Floss und warnt zudem: "Herstellergarantien sind oft an bestimmte Bedingungen beim Service geknüpft.

Wer sein Auto in keiner Vertragswerkstätte reparieren lässt, könnte also den Garantieanspruch verlieren. Das gilt fürs Inland wie auch Ausland." (APA)

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