Kabel Deutschland mit Monopolplänen gescheitert

29. September 2004, 18:10
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Kabelriese zog Genehmigungsantrag beim Bundeskartellamt angesichts negativer Signale zurück

Die Pläne zur Schaffung eines Monopols auf dem deutschen Kabelfernsehmarkt sind gescheitert. Deutschlands größter Kabelnetzbetreiber KDG zog am Mittwoch beim Bundeskartellamt seinen Antrag auf Übernahme der drei verbliebenen Konkurrenten Ish (Nordrhein-Westfalen), Kabel Baden-Württemberg und Iesy (Hessen) zurück. "Das Unternehmen reagiert damit auf die wiederholt negativen Signale vom Bundeskartellamt, das trotz der weit reichenden Zugeständnisse von Kabel Deutschland keine positive Bewertung der Zusammenschlüsse abgegeben hatte", erklärte Kabel Deutschland (KDG) in München.

Kartellamtspräsident Ulf Böge begrüßte die Entscheidung des Kabelriesen: "Der technische Fortschritt im Kabelnetz wurde bislang eher von den kleineren Kabelgesellschaften vorangetrieben, die beim Ausbau des Kabelnetzes und bei ihrer Investitionsplanung für schnellen Internetzugang und Telefonie entschieden aktiver sind als die KDG. Die Schaffung eines Kabelmonopols würde diese Entwicklung eher bremsen", erklärte Deutschlands oberster Wettbewerbshüter.

Kabel Deutschland, schon heute mit knapp 10 Millionen Kunden größter Kabelnetzbetreiber, wollte für 2,7 Mrd. Euro die letzten in der Bundesrepublik verbliebenen Konkurrenten kaufen und sich damit praktisch die Kontrolle über das gesamte deutsche Breitband-Kabelnetz sichern. Doch stießen die Übernahmepläne beim Bundeskartellamt von Anfang an auf große Bedenken.

Nach Auffassung der Wettbewerbshüter verfügt Kabel Deutschland schon heute über eine marktbeherrschende Stellung. Eine Übernahme der Konkurrenten würde diese Position noch einmal drastisch verstärken - zu Lasten von Kunden und Programmanbietern wie RTL oder Sat1, urteilten die Wettbewerbshüter.

Der Kabelriese hatte daraufhin Anfang September ein Paket von Zusagen vorgelegt, um doch noch die Genehmigung zu erhalten. Kernpunkt war der bundesweite Ausbau der Kabelnetze für den schnellen Internetzzugang. Damit wollte KDG der auf diesem Gebiet marktbeherrschenden Deutschen Telekom Konkurrenz machen. Doch konnte dies die Bedenken der Wettbewerbshüter nicht ausräumen.

Der nordrhein-westfälische Kabelnetzbetreiber Ish betonte, die Vereinbarungen mit Kabel Deutschland seien bereits aufgehoben worden. "Wir stehen finanziell und technologisch blendend dar. Das können wir nicht länger aufs Spiel setzen", begründete der Vorsitzende der Geschäftsführung, James Bonsall, den Schritt. Für die Zukunft habe das Unternehmen gleich mehrere Optionen, hieß es bei Ish. Eine weitere Selbstständigkeit sei ebenso möglich wie die Fusion zweier oder mehrerer Kabelunternehmen oder ein einfacher Verkauf an einen anderen Interessenten. Diese Optionen würden die Anteilseigner in Ruhe prüfen. "Durch den Erfolg von Ish besteht keinerlei Druck für einen kurzfristigen Verkauf oder eine andere Transaktion."

Kabel Deutschland selbst hatte bereits vor einigen Wochen angekündigt, bei einem Scheitern der Übernahmepläne sein bestehendes Geschäft in 13 Bundesländern weiterentwickeln zu wollen. Mit einer gesunden Finanzstruktur und knapp 10 Millionen Kunden sei das Unternehmen gut aufgestellt, um die Modernisierung des Kabels und die Einführung innovativer Produkte weiter voranzutreiben. (APA/dpa)

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