"Der Chronist des Wesentlichen"

27. September 2004, 20:27
posten

Franz Hubmann, Doyen der österreichischen Fotografie, wird 90 - Werkschau in der Galerie Westlicht

Wien - Sein Stil als Redakteur und "Chefreporter" der Kulturzeitschrift "magnum" prägte lange Zeit wie kaum ein anderer die Fotoästhetik des österreichischen Journalismus. Von der Kritik wurde der schon längst selbst weit über die österreichischen Grenzen hinaus bekannte Fotograf der "Cartier-Bresson Österreichs" genannt. Gleichzeitig sorgte Franz Hubmann dafür, dass die Fotografie den Status der Eigenständigkeit erhielt, die nicht mehr nur illustrativen Charakter hatte. Am 2. Oktober feiert der Doyen der österreichischen Fotografie seinen 90. Geburtstag.

Rückblick auf das "Gutruf"

In der Galerie Westlicht in Wien wird Hubmanns Geburtstag mit einer Werkschau zelebriert. "Franz Hubmann. Der Chronist des Wesentlichen" (3. 10. bis 7. 11.) zeigt über 145 Bilder, darunter so legendäre Serien wie das "Cafe Hawelka", sowie bisher noch nie gezeigte Aufnahmen der späten 60er Jahre aus dem Szenetreff "Gutruf", kündigt die Galerie an.

Mit zwölf Jahren bekam der am 2. Oktober 1914 in Ebreichsdorf (Niederösterreich) geborene Hubmann seine erste Kamera geschenkt. Nach dem Besuch der Mittelschule absolvierte er zunächst die Lehr- und Versuchsanstalt für Textilindustrie in Wien und war ab 1935 als Textiltechniker in einer Hutfabrik beschäftigt. Erst nach dem Krieg besuchte er zwischen 1946 und 1949 die Grafische Lehr- und Versuchsanstalt und wurde anschließend Bildstellenleiter der neu gegründeten Österreichischen Fremdenverkehrswerbung, deren Bildarchiv er aufbaute.

"Bildjournalist" bei "magnum"

Daneben arbeitete Hubmann am Journal "Austria international" mit, aus dem 1954 die Kulturzeitschrift "magnum" wurde, die sich an der gleichnamigen Bildagentur von Robert Capa, Henri Cartier-Bresson und David Seymour orientierte. Damals bezeichnete sich Hubmann allerdings nicht als Fotograf, sondern als "Bildjournalist" und deckte als solcher das gesamte Spektrum "moderner" Themen ab: Tanz, Musik, Architektur, Kunst, Design, Kinder und Freizeit. Er porträtierte dabei sowohl bunte Vögel zwischen Künstlercafe, Opernball und Wiener Vorstadt als auch die Pariser Szene um Chagall, Giacometti, Max Ernst und Picasso oder das Ambiente an so unterschiedlichen Orten wie New York und dem Waldviertel.

Nach der Einstellung von "magnum" 1966 arbeitete Hubmann vor allem als freier Buchautor und schuf über 50 Bildbände. Gleichzeitig entstanden zwischen 1960 und 1974 17 Fernsehfilme, die alle im Hauptabendprogramm gesendet wurden.

Metamorphosen einer Stadt

1992 wurde im Historischen Museum der Stadt Wien seine Ausstellung "Wien - Metamorphosen einer Stadt. 150 Jahre in Fotografien" gezeigt. Für die Ausstellung "Emil Mayer - Wiener Typen. Fotografien aus dem Leben der Stadt um 1900", die 1995 im Wiener Jüdischen Museum gezeigt wurde, hat Hubmann die Bilder zusammengetragen.

Ausgezeichnet wurde Hubmann u.a. 1972 mit dem Kulturpreis der Stadt Wien für angewandte Kunst, 1982 mit der Goldenen Gesellschaftsmedaille der Fotografischen Gesellschaft Wien sowie dem Berufstitel Professor und 1993 mit dem Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst. 1995 erhielt er außerdem den mit 300.000 Schilling dotierten Österreichischen Staatspreis für künstlerische Fotografie, 2000 folgte die Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Franz Hubmann anlässlich einer Ehrung am 27. September 2004 in Wien

Share if you care.