Freude, Staus und Ärger

22. September 2004, 12:24
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Wiener Verkehr war bereits ab 9.30 Uhr stellenweise lahm gelegt

Wien - Mit Staus und Verärgerung bei Autofahrern und Kritik seitens von Umweltorganisationen begann am Mittwoch der fünfte autofreie Tag in Österreich.

Staus in Wien

Bereits eine halbe Stunde vor der Sperre der Wiener Ringstraße vom Stubenring bis zum Heldentor von 10.00 bis 14.00 Uhr wurde der Verkehr in Wien durch umfangreiche Staus lahm gelegt. Laut ÖAMTC-Informationszentrale ging bereits gegen 9.30 Uhr am Franz Josefs-Kai und am Schottenring fast nichts mehr, nachdem die Sperre am Stubenring aufgebaut worden war.

Die nächste betroffene Verkehrsader in Wien ist laut Einschätzung von Gerhard Koch vom ÖAMTC die 2er-Linie: "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es dort steht." Das Problem werde sich dann über die Lothringenstraße bis zum Schwarzenbergplatz ziehen.

FPÖ: Aktion ohne den geringsten Nutzen

FPÖ-Klubobmann Herbert Scheibner bezeichnete den autofreien Tag als "vordergründige Aktion ohne den geringsten Nutzen". Es sei völlig absurd zu glauben, dass man der Verkehrsproblematik Herr werden könne, indem man den Verkehr in der Wiener Innenstadt lahm lege, kritisierte Scheibner. Dies verursache nur Ärger und Kosten, Staus und zusätzliche Umweltverschmutzung auf den Ausweichrouten. Es sei zu hoffen, dass diese "von realitätsfernen EU-Bürokraten ins Leben gerufene absurde Idee" zumindest in Österreich eine einmalige Angelegenheit bleibe. Bereits am frühen Vormittag hatten verärgerte Wiener Autofahrer im Hitradio Ö3 ihrem Ärger über den autofreien Tag lautstark Luft gemacht.

Einmal im Jahr ist zuwenig

Die Umweltschutzorganisation Global 2000 wiederum kritisierte, dass sich die Umweltpolitik der Bundesregierung hinsichtlich der Verkehrsproblematik auf medienwirksame PR-Aktionen entlang der Ringstraße reduziere: "Einmal im Jahr den autofreien Tag zu feiern ist zu wenig, solange keine menschen- und umweltgerechte Verkehrspolitik gemacht wird. An 364 Tagen rollt die Verkehrslawine weiter, mit Tausenden Opfern und massiven Umweltproblemen, ohne dass die Bundesregierung wirksame Maßnahmen setzt", sagte Heinz Högelsberger, Verkehrsreferent von Global 2000.

Aktivisten der Umweltorganisation begleiteten Umweltminister Josef Pröll (V) am Mittwoch mit Schildern, auf denen sich unterschiedliche Interessengruppen für die autozentrierte Verkehrspolitik der Bundesregierung mit harten Parolen "bedanken":

60 Prozent mehr Verkehrsemissionen in Österreich seit 1990

Im Gegensatz dazu bezeichnete der Geschäftsführer des Umweltdachverbandes, Franz Maier, den autofreien Tag im Jahr des Klimaschutzes 2004 als "besonders wichtige Initiative, die auch die Verkehrszukunft Österreichs nachhaltig in den Blickpunkt rücken sollte". Der Anstieg der Verkehrsemissionen in Österreich um 60 Prozent seit 1990 sei Besorgnis erregend für Mensch und Umwelt. Deren Anteil am Klimawandel sei damit auf ein Viertel angewachsen, eine Trendwende nicht absehbar. "Die Alarmglocken läuten. Rasches Handeln aller politisch Verantwortlichen ist das Gebot der Stunde. Wir rufen jedoch auch jeden Einzelnen dazu auf, so klimamobil wie möglich unterwegs zu sein", sagte Maier.(APA)

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