Graz: Fünf Ärzte wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht

22. September 2004, 20:18
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Krebsoperation an gesundem Mann - Patient überlebte unnötigen Eingriff nicht

Graz - Fünf Ärzte müssen sich heute in Graz wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht verantworten. Sie sollen für den Tod eines Patienten verantwortlich sein, der nach einer Operation gestorben ist, die völlig unnötig war. Die Ärtzte hatten angenommen, dass der Mann an Krebs leide. Dabei war er völlig gesund.

Es ist in diesem Zusammenhang bereits der zweite Gerichtsprozess. Vor eineinhalb Jahren wurde eine Oberärztin für Pathologie freigesprochen. Sie war der Ansicht, in einer Gewebsprobe einer 73-jährigen Patientin Krebszellen zu erkennen, hatte sich aber geirrt.

Abweichender Befund wurde nicht kommuniziert

"Nicht schuldig" war die übereinstimmende Aussage aller fünf angeklagten Ärzte. Sie waren übereinstimmend der Meinung, dass die Vorgänge, die zum Tod des 73-jährigen Patienten geführt hatten, alle in Ordnung gewesen waren.

Auch das offenbar mangelhafte Kommunikationssystem erschien allen Beteiligten ausreichend gewesen zu sein.

Nach dem - falschen - Krebs-Befund einer Pathologin bekam ein Kollege die Proben zum Untersuchen. Er stellte fest, dass kein Karzinom vorlag. Dass sein Befund von dem der Ärztin abwich, nahm er unkommentiert hin: "Ich dachte, ich habe Proben aus dem Randgewebe zur Begutachtung bekommen", rechtfertigte sich der Arzt. Kontakt mit der Pathologin nahm er deswegen nicht auf: "Das ist nicht meine Vorgangsweise", erklärte er vor Gericht.

Auch zweiter Pathologe wurde nicht aktiv

Auch der zweite angeklagte Pathologe, der die Probe ebenfalls als nicht bösartig eingestuft hatte, wurde nicht von sich aus aktiv.

"Hat sich seit dem Vorfall etwas geändert?", wollte der Ankläger wissen. "Wir haben Anweisung, bei Diskrepanzen Rücksprache zu halten. Aber hier lag keine Diskrepanz vor", so einer der Pathologen. "Es hat sich also nichts geändert", resümierte Staatsanwalt Kammerer.

Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt. Erwartet werden einige Zeugen sowie die Erörterung der Gutachten. Ein Urteil soll morgen Nachmittag erfolgen. (APA, red)

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