Land Kärnten will die Hypo versilbern

30. September 2004, 13:33
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Wandelanleihe soll Börsengang vorbereiten und dem Landeshaushalt helfen - Salzburg AG holt sich Anleihengeld für Wasserkraft-Ausbau

Klagenfurt - Kärntens größter Schatz, die Hypo-Alpe-Adria Bank, soll flüssig gemacht werden. Um den Börsengang, der für 2008/09 geplant ist, quasi vorwegzunehmen, will man Wandelanleihen auflegen, die insgesamt rund 500 Millionen Euro in den extrem angespannten Landeshaushalt spülen sollen.

Dieser Umfang würde laut Kärntner Finanzexperten etwa zehn bis 15 Prozent eines späteren Aktienanteils an der Hypo entsprechen. Derzeit hält das Land über die Landesholding 52 Prozent der Hypo-Anteile.

Emission schon in einigen Wochen

Der Börsengang selbst soll dann laut Landeshauptmann Jörg Haider noch einmal 120 bis 150 Millionen Euro bringen. Mit der Emission soll bereits in einigen Wochen begonnen werden. Und sie dürfte sich eher an institutionelle Anleger richten, die ihre Anleihen dann beim späteren Börsengang in Aktien umwandeln können.

Nach dem derzeit diskutierten Modell wollen Land Kärnten und Syndikatspartner Grazer Wechselseitige (derzeit 48 Prozent) nach dem Börsengang gemeinsam nur noch 51 Prozent an der Hypo behalten, wobei sich das Land die Sperrminorität von 26 Prozent sichern möchte.

Enormes Wachstum

In den letzten Jahren konnte die Kärntner Hypo vor allem im Alpe-Adria-Raum ein enormes Wachstum verzeichnen. Nahezu alle Kenndaten weisen satte zweistellige Zuwachsraten auf. So stieg etwa der EGT im ersten Halbjahr 2004 um 48,9 Prozent auf 90,5 Mio. Euro. Die Bilanzsumme wuchs im selben Zeitraum um 16,7 Prozent auf 14,8 Mrd. Euro, das Betriebsergebnis von 86,8 auf 123 Mio. Euro. Damit steigt auch die Eigenkapitalquote auf nunmehr 9,5 Prozent.

Für das Land wiederum eröffnet die Ausgabe der Wandelanleihe die Chance, schnelles Geld für den maroden Finanzhaushalt hereinzubekommen. Aufgrund der Schuldensituation kann sich Kärnten kaum noch neue Kredite leisten. Der Gesamtschuldenstand wird sich - trotz bereits veräußerter Kelag-Anteile und Wohnbauförderungsdarlehen - bis Ende 2004 voraussichtlich auf 598 Mio. Euro erhöhen.

Salzburger Wasser-Anleihe

"Mehr Regen - mehr Zinsen". Unter dieses Motto stellt der Energieversorger Salzburg AG die Emission seiner Salzburger Wasserkraft-Anleihe. Das Volumen von 30 Millionen Euro soll für den Ausbau von drei kleineren Wasserkraftwerken - Gamp in Hallein, Rott an der Saalach und Trattenbach im Pinzgau - verwendet werden.

Das Besondere an dem exklusiv über ein Syndikat von acht Salzburger Banken vertriebenen Wertpapier: Neben einem vom Geldmarkt abhängigen Zinssatz von garantierten 2,5 und höchstens sechs Prozent, schüttet die Salzburg AG auch noch einen Bonus, abhängig von der Wasserführung der Flüsse, aus. Laut Vorstandssprecher Arno Gasteiger will man mit einem Zeichnungsvolumen von 1000 bis 30.000 Euro je Investor vor allem die eigenen Stromkunden gewinnen.

Das nicht börsennotierte Papier richte sich nicht an institutionelle Anleger. Die Laufzeit beträgt 10,5 Jahre, Zeichnungsfrist ist von 4. bis 15. 10. Die Salzburg AG räumt das Recht ein, die Anleihe zum Nennwert plus Zinsen vierteljährlich zu verkaufen. (stein, neu, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.9.2004)

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