"Jeanne" traf Haiti mit voller Gewalt

22. September 2004, 10:19
1 Posting

Bei durch Tropensturm ausgelöster Flutkatastrophe sind bis zu 1.000 Menschen ums Leben gekommen - Warnung vor Seuchen - Mit Infografik

Port-au-Prince - Bis zu 1.000 Menschen könnten durch den verheerenden Tropensturm "Jeanne" auf Haiti ums Leben gekommen sein. Die berichtete der Sender Radio Métropole in der Nacht zum Mittwoch. In der am schwersten betroffenen Stadt Gonaives seien Hunderte Menschen gestorben. Aus anderen Regionen im Nordwesten des Karibikstaates wurden mindestens 105 Tote gemeldet. Weitere mindestens 1.000 Menschen galten nach einer vorläufigen Bilanz als vermisst. Der Interimsministerpräsident Gerard Latortue erklärt die Stadt Gonaives zum Notstandsgebiet. Der Übergangspräsident Boniface Alexandre bat vor der UN-Vollversammlung um internationale Hilfe, um der humanitären Katastrophe Herr zu werden.

Warnung vor Seuchen

In den Leichenhallen sei kaum noch Platz und die wenigen Krankenhäuser entweder zerstört oder mit tausenden Verletzten überfüllt, berichteten nationale Medien. Hilfsorganisationen warnten angesichts des feuchtheißen Klimas vor dem Ausbruch von Seuchen. Nach unbestätigten Schätzungen sind zudem mindestens 230.000 Menschen auf die schnelle Versorgung mit Lebensmitteln und Trinkwasser angewiesen. Die Regierung in Port-au-Prince bat dringend um rasche internationale Hilfe. Die schlechten Straßen sowie Schlamm und Hochwasser machten die Lieferung von Hilfsgütern jedoch äußerst schwierig. Die auf Haiti stationierten UN-Blauhelme setzten Hubschrauber zur Versorgung der Überlebenden der Katastrophe ein.

Wieder Kontakt zur Insel La Tortue

Die zweitgrößte Insel Haitis, La Tortue, ist von dem verheerenden Tropensturm "Jeanne" weitgehend verschont worden. Es gebe Kontakt zu der vor der Hafenstadt Port de Paix gelegenen Insel und die Lage dort sei "normal", teilten die Behörden am Dienstag mit. Zunächst war das Schlimmste für die 26.000 Bewohner befürchtet worden, nachdem ein Hubschrauber am Sonntag vergeblich nach der Insel vor der Nordwestküste gesucht hatte.

Auch Radio Metropole berichtete, es gebe kaum Schäden auf der Insel. Nach Angaben des Reporters Eugene Marc-Edouard seien am Strand jedoch Leichen vom Festland angespült worden.

Jedes Haus überflutet

Am schlimmsten betroffen ist bisher Gonaives. Laut dem Regierungschef "gibt es kein Haus mehr, das nicht überflutet ist". Allein dort wurden im Krankenhaus 500 Leichen gezählt. Bei sinkenden Wasserständen würden vermutlich weitere Opfer gefunden, sagten die Rettungsmannschaften.

Rund 80 Prozent der 100.000 Menschen stehen ohne Nahrung da. Die Vereinten Nationen wollten eine Tonne Medikamente einfliegen, das UN-Welternährungsprogramm kündigte Konvois mit Lebensmitteln und Wasser an. Mindestens 56 weitere Menschen kamen in Port-de-Paix ums Leben, 18 in Chansolme, 14 in Gros-Morne, neun in Pilate und acht in Ennery. In den Krisengebieten gilt der Notstand, für das gesamte Land eine dreitägige Staatstrauer.

Haiti war in jüngster Zeit immer wieder von Katastrophen betroffen worden. In diesem Jahr drohte die Republik erneut in einen blutigen Bürgerkrieg zu stürzen. Wenige Monate später wurde der Südosten des Landes nach heftigen Regenstürmen überflutet, dabei kamen mehr als 1200 Menschen ums Leben. (APA, AP,DER STANDARD, Printausgabe, 22.9.2004)

Video

BBC: "Eighty thousand are now without shelter, food and water"

Spendenkonten:

UNICEF: PSK 15 16 500, BLZ 60.000, Stichwort: "Sturmopfer Karibik",
UNICEF-Online Spenden

CARE Österreich Spendenkonto, PSK 1,236.000 - Bankleitzahl 60000, Kennwort: "Haiti"

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Flucht auf alles, was noch aus dem Wasser ragt - fast der ganze Norden von Haiti ist durch den Tropensturm "Jeanne" überschwemmt, mehr als 1000 Tote werden befürchtet.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Tropensturm verwüstete Haiti

Share if you care.