"Kamele sind Langläufer, aber sie brauchen Wasser"

29. September 2004, 13:12
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Außerordentliche Hauptversammlung gibt grünes Licht für Kapitalerhöhung – Auch Kovats-Gruppe stimmt zu

Linz – "Ich danke den Aktionären, dass sie an den Konzern glauben." Die Erleichterung von VA-Tech-Generaldirektor Klaus Sernetz über den Beschluss, für die Kapitalerhöhung grünes Licht zu geben, war nach der Hauptversammlung (HV) am Dienstag hör- und spürbar: "Mir fällt ein Stein vom Herzen."

Junge Aktien möglichst noch heuer

Wann die 3,829 Millionen jungen Aktien, die beim derzeitigen Kurs von 48 Euro rund 150 Mio. Euro in die leeren Kassen der VA Tech bringen sollten, auf dem Markt zum Kauf angeboten werden, ist offen. Es sollte aber möglichst noch heuer sein. "Wenn der Markt es zulässt", schränkt Sernetz ein. Das Preisband erwarte er zwischen 45 und 50 Euro, nächste Woche wird die Investmentbank ausgewählt.

Da der Konzern wegen der Probleme in drei Transformatorenwerken und der Wassertechniksparte (Wabag) heuer rund 70 Mio. Euro Verlust schreiben wird und mit einer Eigenkapitalquote von 13,2 Prozent nicht gerade im Geld schwimmt, wird ein großer Brocken des Geldes in die Sanierung fließen, der Rest in Wachstumsmärkte wie China und Südamerika. Der durch die Desinvestitionen bedingte Umsatzrückgang im Volumen von rund 150 Mio. Euro sollte durch den Rekordaufträge einfahrenden Industrieanlagenbau (Metallurgie) mehr als kompensiert werden.

94,98 Prozent für Aufstockung

Dass das Votum der rund 600 anwesenden Stimmberechtigten und Gäste (die aber nur 46 Prozent des stimmberechtigten Gesamtkapitals stellten, Anm.) – sie stimmten mit 94,98 Prozent für die Kapitalaufstockung – so klar ausfallen würde, war im Laufe der HV nicht absehbar. Vorstände, Aufsichtsräte und Aktionäre waren bis zur letzten Minute höchst angespannt.

Einzig der für Hydro (Energieerzeugung) zuständige Vorstand Christian Habegger, seit dem Abgang von Klaus Brenner für die Sanierung des Verlustbringers T&D (Energieübertragung und -verteilung) zuständig, vermochte die Stimmung etwas aufzuheitern, als er Firmen wie die VA Tech mit Kamelen verglich, auf denen (Börse-)Spekulanten reiten würden. "Kamele sind Langläufer, aber sie brauchen Wasser. Und das ist das Kapital, das wir brauchen!", rief der für seinen trockenen Humor berühmte gebürtige Schweizer in die vom umfangreichen Bericht zur angespannten Lage des Konzerns gelangweilte Versammlung.

Zitterpartie

Solcherart aufgeweckt, setzte es im eher dünn besiedelten Saal im Linzer Design Center Applaus. Die Hoffnung, diesmal würden auch die Investoren rund um VA-Tech-Aktionär Mirko Kovats (13,6 Prozent) zustimmen (im April hatten sie die doppelt so hoch beantragte Kapitalerhöhung gemeinsam mit unbekannten Schweizer Aktionären niedergestimmt, Anm.), sollte allerdings noch mehrmals in eine Zitterpartie abgleiten.

Etwa als Aktionär Gerhard Hackl gegen eine Verwässerung seiner Anteile und für eine Ablehnung plädierte. Zuvor hatte Rechtsanwalt Georg Vetter VA-Tech-General Sernetz kritisiert, weil er eine mögliche Übernahme durch Siemens vorschnell zurückgewiesen habe. Schließlich hätten die Prognosen der VA Tech jahrelang nicht gehalten, und Dividenden blieben aus. Sernetz konterte, man sei nicht gegen eine Übernahme per se, aber Siemens sei wegen großer Überschneidungen nicht der richtige Übernehmer gewesen. Außerdem habe es kein Angebot gegeben, das man hätte prüfen können. Die Schweizer waren nicht da, die ÖIAG will mitziehen – und die VA Tech hat eine Verschnaufpause. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.9.2004)

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    Die VA Tech-Vorstände Gerhard Falch (l.) und Klaus Sernetz können aufatmen: Die Kapitalerhöhung kommt - wenn möglich, noch heuer.

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