Bulimie-Risiko nach Übergewicht in der Kindheit erhöht

27. September 2004, 14:02
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Studie an Zwillingen vergleicht Essgewohnheiten

London - Kinder, die übergewichtig sind und zu viel essen, riskieren als Erwachsene die Essstörung Bulimie zu entwickeln. Diese Annahme basiert auf einer Studie des King´s College London mit 154 Zwillingsschwestern, von denen jeweils einer der beiden Zwillinge eine Essstörung entwickelte. Jene mit Bulimie hatten als Kinder Essen oft gierig verschlungen und waren weniger heikel in Bezug auf das, was sie aßen, fanden die Forscher heraus. Die Mütter der Zwillinge wurden dazu angehalten, Fragebögen über die Essgewohnheiten ihrer Töchter in der Kindheit auszufüllen. Geschwister, die als Erwachsene an Bulimie erkrankten, waren als Kinder signifikant übergewichtiger, weniger heikel und aßen mehr, verglichen mit ihren gesunden Schwestern. Doch die Essgewohnheiten in der Kindheit sagten nichts über ein zukünftiges Risiko der Anorexie aus.

Risikofaktor Essensstil

Nicht genug zu essen, der Verzehr von Dingen wie Tapete oder widerliche Mahlzeiten zwischen ein und zehn Jahren beziehungsweise selektive Nahrungsaufnahme im ersten Lebensjahr beeinflussten der Studie zufolge spätere Essstörungen nicht. Laut Nadia Micali und ihren Kollegen, die die Studie durchführten, kann ein derart "ungehemmter" Essensstil ein individueller Risikofaktor für Bulimie sein.

Deanne Jade, Direktorin des National Centre for Eating Disorders, sagte, es wäre verständlich, wie übergewichtige Kinder eine Bulimie entwickeln: "Wenn ein Kind übergewichtig ist, ist es häufig Hänseleien ausgesetzt und wird sehr sensibel in Bezug auf seinen Körper." Als Konsequenz neigten die Korpulenten viel eher dazu, eine Diät zu machen, die der größte Risikofaktor für eine Bulimie sei. "Diäten verändern die Beziehung zum Essen und erzeugen Begierden, die zu Essgelagen führen können." Susan Ringwood, die Vorsitzende der Eating Disorders Association, begrüßte alle Erkenntnisse zu der komplexen Thematik. Es müsse noch viel bewegt werden, damit die Menschen verstehen, wie ernst derartige Krankheiten sind. (pte)

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