Gorbach gibt sich weiter zugeknöpft

21. September 2004, 19:01
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Verkehrsminister würde Zweier-Holdingvorstand "sympathisch" finden - SP-Wirtschaftsverband kritisiert "Parteibuchwirtschaft"

Wien - Vizekanzler und Verkehrsminister Hubert Gorbach (F) würde eine Verkleinerung des ÖBB-Holdingvorstand von drei auf zwei Personen "sehr sympathisch" finden. Das sagte der Vizekanzler am Dienstag nach dem Ministerrat: "Der Aufsichtsrat wird sicherlich auch diskutieren, ob's drei braucht". Als fixe Ankündigung sei diese Aussage freilich nicht verstehen, schränkte er ein. Es handle sich um "eine von mehreren Denkvarianten".

Zugeknöpft gab sich Gorbach in der Frage des neuen Infrastruktur-Vorstandes in der Holding. Dieser Posten ist Ende Juni durch den Wechsel von Josef Moser in den Rechnungshof frei geworden. Mit Porr-Vorstand Martin Huber und Asfinag-Chef Walter Hecke gebe es zwei gute Kandidaten mit Erfahrung in den Bereichen Bau und Konzern-Führung: "Da kann man wenig falsch machen."

"Nicht auf die Farbe des Bewerbers geachtet"

Ausdrücklich relativierte Gorbach allerdings Aussagen in der Vorwoche, die als klares Votum für Hecke verstanden wurden. Er, Gorbach, habe immer großes Interesse für die Nachbestellung gezeigt. Jedoch: "Ich habe niemanden favorisiert", er wolle dem Aufsichtsrat nicht vorgreifen. Außerdem betonte der Minister, dass er auch bisher bei Bestellungen nicht auf die Farbe des Bewerbers geachtet habe.

Genau das wurde vom Vizechef der Wirtschaftskammer, Rene Alfons Haiden - er ist auch Präsident des SP-nahen Wirtschaftsverbandes - aber ins Treffen geführt: Es gebe "viele Personen, die für den Posten eines ÖBB-Chefs geeignet" wären, "er muss nur das richtige Parteibuch haben, rot oder blau wird es sicher nicht sein", so Haiden am Dienstag in Wien auf Journalistenfragen.

Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl (V) betonte, es sei Sache des ÖBB-Aufsichtrates, einen neuen ÖBB-Chef zu küren und lehnte eine parteipolitische Diskussion in diesem Zusammenhang ab.

Huber ist Favorit

Asfinag-Chef Hecke hatte lange Zeit als Favorit für den Infrastruktur-Vorstandposten in der ÖBB-Holding gegolten. Zuletzt hat sich aber abgezeichnet, dass das Aufsichtsratspräsidium dem Gesamtgremium am Donnerstag nur einen Namen vorschlagen wird. Dabei soll es sich um den als ÖVP-nahe geltenden Porr-Manager Martin Huber handeln, der vom Präsidium nach einem Abschlusshearing vergangene Woche bestgereiht worden ist. Die Entscheidung fällt am Donnerstag im ÖBB-Aufsichstrat.

Wenn Mosers Posten nun am Donnerstag nachbesetzt wird und Erich Söllinger - wie erwartet - ÖBB-Finanzvorstand bleibt, würde die von Gorbach angesprochene Lösung eines Zweier-Vorstandes wohl die Ablöse von Rüdiger vorn Walde als ÖBB-Generaldirektor bedeuten. Zuletzt war spekuliert worden, dass Vorm Walde im kommenden Jahr schrittweise abgesetzt und bis zum Auslaufen seines Vertrages Mitte 2006 nur noch ÖBB-Personenverkehrschef bleiben soll. ÖBB-Aufsichtsratspräsident Wolfgang Reithofer hatte dazu am Montag erklärt: "Wenn Entscheidungen notwendig sind, werden sie am Donnerstag getroffen." (APA)

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