Meta-Analyse erforscht Ursachen des Zweitkrebses

27. September 2004, 14:02
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Mediziner führen erhöhtes Risiko auf Therapie-Nebenwirkungen wie häufige Strahlung zurück

Köln - Eine Meta-Analyse im Kompetenznetz Maligne Lymphome kommt zu dem Ergebnis, dass eine alleinige Strahlentherapie gegenüber einer kombinierten Strahlen- und Chemotherapie für Patienten mit Hodgkin-Lymphom langfristig ein erhöhtes Risiko für die spätere Erkrankung an einer anderen Krebsart darstellen kann. "Diesen Befund, dass eine an sich schonendere Therapie das Risiko für einen Zweitkrebs in die Höhe treibt, erklären wir uns anhand unserer Daten damit, dass die nur strahlentherapeutisch behandelten Patienten eher einen Rückfall der Erkrankung erleiden. Diese muss dann mit einer sehr aggressiven Chemotherapie angegangen werden, die wiederum später den Zweitkrebs verursacht", so Jeremy Franklin, der die Meta-Analyse für die Cochrane Haematological Malignancies Group geleitet hat.

In den letzten Jahrzehnten sind die Heilungschancen für Patienten mit einem Hodgkin-Lymphom dank intensiverer Therapie gestiegen, wodurch die Patienten heute mit einer durchschnittlich längeren Überlebenserwartung rechnen dürfen. Allerdings wird bei auffällig vielen Patienten Jahrzehnte nach erfolgreicher Hodgkin-Therapie ein Zweitkrebs (Sekundärneoplasie) diagnostiziert. Das ist kein wiederkehrendes Hodgkin-Lymphom, sondern eine andere Erkrankung, beispielsweise Lungenkrebs, Darmkrebs oder Leukämie. Bei Hodgkin-Patienten ist die Wahrscheinlichkeit des Auftretens eines solchen Zweitkrebses höher im Vergleich zur Gesamtbevölkerung.

Zweitkrebs bei häufigem Bestrahlen wahrscheinlich

Eine mögliche Erklärung ist, dass Hodgkin-Patienten generell eher zu Krebserkrankungen neigen als andere Menschen oder dass das erhöhte Risiko als Nebenwirkung auf die intensive Therapie zurückzuführen ist, die für die Heilung notwendig war. Es ist erwiesen, dass sowohl Radiotherapie als auch die Einnahme zelltoxischer Chemikalien (wie in der Chemotherapie) die Entstehung von Krebs verursachen kann. Außerdem sind mehrere Untersuchungen zu dem Ergebnis gekommen, dass es deutliche Unterschiede in der Häufigkeit des Zweitkrebses je nach erfolgter Hodgkin-Therapie gibt. Bis jetzt ist jedoch nicht erforscht, wie sich das Risiko einer Sekundärneoplasie vermindern lässt.

Die Meta-Analyse fand heraus, dass Patienten, die lediglich bestrahlt wurden, häufiger an einem Zweitkrebs erkrankten als Patienten, die zusätzlich chemotherapeutisch behandelt wurden. Diese Tatsache hört sich zunächst nach einem Widerspruch an, lässt sich aber möglicherweise erklären, wenn man nicht nur die Primärtherapie der Patienten, sondern auch eventuell erlittene Rückfälle der Erkrankung betrachtet: Der Rückfall eines Hodgkin-Lymphoms erfordert eine zweite so genannte Salvagetherapie, die meist noch intensiver als die Primärtherapie ist und daher ebenfalls Sekundärplasien auslösen kann. Ein Rückfall ist nach einer ausschließlichen Radiotherapie viel wahrscheinlicher als nach einer kombinierten Radio-Chemotherapie. Patienten, die zunächst nur bestrahlt wurden, erhalten in vielen Fällen eine zweite, intensivere Therapie, die wiederum die Wahrscheinlichkeit für einen Zweitkrebs erhöht. (pte)

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