Bösendorfer-Einzug in die Villa Primavesi wird konkreter

21. September 2004, 20:00
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Nutzungskonzept inklusive geplantem Ergänzungsbau vorgelegt

Wien - Konkreter werden die Pläne zur Ansiedlung der traditionsreichen Klaviermanufaktur Bösendorfer in der Villa Primavesi in Wien-Hietzing. Die Bawag-PSK-Gruppe legte als Eigentümerin sowohl der Villa als auch der Klavierbaufirma ein Nutzungskonzept vor, das auch einen von Architekt Ernst H. Huss geplanten Ergänzungsbau im Garten vorsieht. Das Verfahren für die notwendige Umwidmung laufe bereits, so Robert Wagner, Vorstand der Bawag-PSK Immobilien AG heute, Dienstag, bei einer Journalistenführung durch die von Josef Hoffmann gebaute Villa.

Investitionen von rund 7 Millionen Euro sind budgetiert und werden von der Bawag-PSK als "erweitertes Kultursponsoring" verstanden, wie Vorstand Friedrich Primetzhofer erklärte. In den vier denkmalgeschützten Räumen im Erdgeschoss sind Schauräume geplant. Eine Schauwerkstatt sowie ein Aufnahmestudio sollen im Untergeschoss untergebracht werden. Als Einzugstermin wird der 1. Jänner 2006 anvisiert. Die Entscheidung ist allerdings noch nicht letztgültig gefallen, sind doch noch die Umwidmung des Parkschutzgebietes auf gemischte Nutzung und weitere Einreichungen notwendig.

Der Zubau

Eine Parkgarage, Büroräume, ein auf 150 bis 200 Personen ausgelegter Konzertsaal, sowie zwei Künstlerresidenzen sollen im geplanten Zubau Platz finden, der drei Geschosse plus Dach, 1.400 Quadratmeter Bruttogesamtfläche und 1.200 Quadratmetern Nutzfläche umfassen soll. "Vom äußeren Erscheinungsbild wird der Zubau im Stil an die Villa angepasst, von der Höhe her an das umliegende Ensemble", so Wagner. Der Baugrund liegt in 25 Meter Entfernung zur Villa und auf einem Teil des Areals, das nach erst nachträglich zugekauft wurde und "nicht zum ursprünglichen Ensemble, wie es Hoffmann realisierte, gehörte", betonte Wagner. Der Ansatz sei eine "Minimalmasse, die den unbedingten Bedarf der Firma Bösendorfer sichert."

Auf einer Bürgerversammlung im Amtshaus Hietzing will man am Donnerstag das Konzept präsentieren, hatte es doch bereits eine Flugzettelkampagne gegen die neue Nutzung gegeben, wie Wagner berichtete.

"Es war Liebe auf den ersten Blick"

Begeistert von den neuen Standortplänen zeigte sich Bösendorfer-Geschäftsführer Manfred Aichinger: "Es war Liebe auf den ersten Blick. Ich sehe bereits unsere Klaviere hier stehen." Die derzeitige Residenz des Traditionsunternehmens in Wien-Wieden soll aufgelassen werden, die Produktion bleibe wie gehabt in Wiener Neustadt. Als "repräsentativer Standort für ein Top-Produkt" sieht Wagner die denkmalgeschützte Villa.

Die von Josef Hoffmann in den Jahren 1913 bis 1915 realisierte Villa Primavesi gilt als ein Meisterstück des Jugendstils. 1938 wurde das Objekt arisiert und nach dem Krieg an die Erben restituiert. Die Erben veräußerten die Villa 1955. Zuletzt war die Villa bis 1998 vom ÖGB als Schulungsheim genutzt worden. Der Wert liege heute bei rund 5,5 Millionen Euro, so Wagner. (APA)

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