Bund will 800 neue Lehrstellen anbieten

30. September 2004, 15:07
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Schüssel: Nächstes Jahr sollen rund 2.600 Lehrlinge beim Bund oder bei ausgegliederten Einheiten in Ausbildung sein - ÖAAB begrüßt Maßnahme, SPÖ kritisiert: "Zu spät"

Wien - Der Bund und ausgegliederte Einrichtungen des Bundes werden 800 zusätzliche Ausbildungsplätze für Lehrlinge anbieten. Das kündigte Bundeskanzler Wolfgang Schüssel am Dienstag nach dem Ministerrat an. Derzeit sind rund 200 Lehrlinge beim Bund direkt und 1.630 Personen bei ausgegliederten Einheiten in Ausbildung. Ab dem nächsten Jahr sollen es in Summe rund 2.600 sein. Dies ist laut Schüssel der höchste Stand seit zehn Jahren.

Schwerpunkte

In den Ministerien direkt werden mehr als 600 neue Ausbildungsplätze geschaffen. Der Großteil entfällt auf die Ressorts Justiz, Landesverteidigung, Bildung und Landwirtschaft. Inhaltlich liegen die Schwerpunkte bei den neuen Stellen in den Bereichen Informationstechnologie und Kommunikationsberufe, Elektronik, Mechaniker und Labortechnik, Umwelttechnologien sowie Verwaltung.

"Nachhaltiger Beitrag"

Vizekanzler Hubert Gorbach unterstrich die Bedeutung der ÖBB für die Jugendausbildung. Er habe sich dafür eingesetzt, dass wieder alle Plätze besetzt werden, "auch wenn es ein bissel etwas kostet". Die ÖBB haben mit etwa 1.300 Ausbildungsplätzen im ausgegliederten Bereich schon bisher die meisten Lehrlinge beschäftigt, weitere 200 Lehrlinge gab es bisher bei den Universitäten. Insgesamt wird die Zahl der Lehrplätze in den ausgegliederten Bereichen laut Schüssel um 140 erhöht.

Schüssel betonte, der Bund wolle mit diesen zusätzlichen Plätzen einen "nachhaltigen Beitrag" leisten, den jungen Menschen Ausbildung zu geben.

SPÖ: Regierungs-Pläne zu spät und unzureichend

SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Doris Bures kritisierte die angekündigte "Lehrlingsoffensive" als "zu spät und völlig unzureichend". Es sei mehr als fraglich, ob das Versprechen von zusätzlich 800 Ausbildungsplätzen eingehalten werde. Bisher seien von dieser Regierung alle Lehrstellen im Bund abgebaut worden. Mit der nun beschlossenen Maßnahme lasse sich keinesfalls die Lücke am Lehrstellenmarkt schließen. Derzeit gebe es 17.000 Jugendliche, die keinen Ausbildungsplatz in einem Betrieb gefunden haben.

ÖAAB: "Wichtig und richtig"

Als einen "wichtigen und richtigen Schritt" hat hingegen Fritz Neugebauer, Chef des ÖVP-Arbeitnehmerflügels ÖAAB, die Initiative bezeichnet. Man müsse jungen Menschen eine attraktive berufliche Ausbildung ermöglichen, so Neugebauer. Berufe mit den Schwerpunkten IT, Elektro und Elektronik sowie technische Berufe sollten besonders gefördert werden, da in diesen Berufen großes Potenzial liege. In einigen Jahren werde auf Grund eines wachsenden Marktes in diesen Bereichen große Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften bestehen, ist Neugebauer überzeugt.

Mehr Lehrstellen in Verteidigungs- und Wirtschaftsministerium

Per Aussendung zu Wort gemeldet haben sich am Dienstag auch zwei Ministerien: Das Verteidigungsressort stockt die Zahl der Lehrplätze von 140 auf 200 auf, auch mit dem Hintergedanken, die Jugendlichen später beim Bundesheer zu behalten und sie als Freiwillige für Internationale Einsätze zu gewinnen. Das Wirtschaftsministerium verdreifacht seinen Stand von bisher 23 Ausbildungsplätzen. (APA)

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