Zwei Fingerabdrücke und ein Kamera-Klick - erst dann "Welcome"

2. November 2005, 13:49
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USA erfassen bisher nur Ausländer mit biometrischen Merkmalen - Experten sehen große Sicherheitslücken in teurem Programm

Washington - Für viele Österreicher und die meisten anderen Ausländer ist es bereits seit Anfang Jänner Realität: Die biometrische Erfassung an der US-Grenze. Alle Visa-Inhaber, etwa Studenten, Journalisten oder in den USA Berufstätige, müssen sich der Prozedur bei der Einreise unterziehen. Konkret führt derselbe Grenzbeamte, der den Pass und das Visum kontrolliert, auch den Scan der beiden Zeigefingerabdrücke und das Foto durch. Künftig wird auch ein Wochenend-Trip in New York oder eine Ferienreise nach Florida mit der Abgabe von Fingerabdrücken beginnen.

Obwohl offizielle US-Vertreter darauf hinweisen, dass die Prozedur in wenigen Sekunden erledigt sei, bilden sich insbesondere bei jenen Flügen, wo praktisch alle Reisenden biometrisch erfasst werden, bereits jetzt lange Schlangen. Am John F. Kennedy-Flughafen etwa haben die Reisenden bei einem Flug aus einem Land wo generelle Visapflicht besteht, z.B. Polen, bereits seit Jänner mit langen Wartezeiten zu rechnen. Verschärft wird die Lage noch dadurch, dass die meisten Transatlantikflüge von Europa in die USA am Vormittag starten und am Nachmittag und Abend in den USA ankommen - auch bei Hochbetrieb an den Grenzposten sind Warteschlangen garantiert.

"Welcome"

Um die Prozedur zu beschleunigen hat das US-Heimatsschutzministerium seit Jänner in den Ankunftshallen Hinweistafeln aufgestellt. "Welcome" steht über der grafischen Darstellung, die Anweisungen von englisch bis chinesisch gibt: Linker Zeigefinger, rechter Zeigefinger, und ein gerader Blick in die kugelförmige kleine Kamera. Prinzipientreue Datenschützer haben keine Chance: Wer sich weigert, seine Zeigefinger scannen zu lassen, kann gleich wieder umdrehen und zurückfliegen.

Die biometrische Erfassung soll der nationalen Sicherheit der USA dienen und die Einreise potenzieller Terroristen verhindern. Für das US-VISIT-Programm hat der US-Kongress 380 Mill. Dollar im Finanzjahr 2003 und 330 Mill. Dollar im Finanzjahr 2004 bewilligt. Gescannt und fotografiert werden jedoch bisher nur - aus Sicht der USA - Ausländer. US-Bürger werden bisher nicht biometrisch registriert. Lediglich bei einigen besonders gefährdeten Einrichtungen, etwa Finanzinstitutionen in Washington, wird der Fingerabdruck zur Erkennung gespeichert. Experten zweifeln daher, dass die Maßnahme tatsächlich abschreckend wirkt. Terroristen müssten etwa nur einen US-Pass fälschen, um ohne Fingerabdruckabgabe ins Land zu kommen. (APA)

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