Biometrie

2. November 2005, 13:49
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Digitalisierung schafft neue Qualität bei Erkennungssystemen

Wien - Unter Biometrie wird die wissenschaftliche und statistische Vermessung von Lebewesen verstanden. Im Vordergrund steht heute dabei die Entwicklung neuer Sicherheitsverfahren zur Personenerkennung. Sie beruhen auf unveränderlichen Merkmalen wie Fingerabdrücken, der Gesichtsgeometrie oder der Augen-Iris und sollen dadurch mehr Sicherheit bringen. Die Nutzung dieser Technik für Reisepässe, Visa und andere Personaldokumente wird in den USA und in Europa vor allem seit den Terroranschlägen des 11. September 2001 intensiv diskutiert.

Der Begriff "Biometrie" setzt sich aus den griechischen Wörtern "bios" (Leben) und "metron" (Maß) zusammen. Auch konventionelle Personalpapiere enthalten somit "biometrische Daten", zum Beispiel zur Körpergröße oder zur Haarfarbe.

"Überwachungsstaat"

Neu an der aktuellen Diskussion ist die Digitalisierung, etwa des Gesichtsbildes oder des Fingerabdrucks. Dies ermöglicht die Speicherung auf einem Chip, der dem Ausweis beigefügt ist. Die Daten können dann per Computer ausgelesen, elektronisch verglichen und weiterverarbeitet werden. Datenschützern bereit dies große Sorgen, sie warnen vor einer missbräuchlichen Verwendung der Daten und einem "Überwachungsstaat".

Während biometrische Erkennungssysteme schon seit längerer Zeit für einen eingeschränktem Personenumfang für Zugangskontrollen, etwa bei Hochsicherheitstrakten, verwendet werden, ergeben sich für die massenhafte Anwenderung dieser Technik ganz andere Herausforderungen. Die meisten Erkennungsverfahren sind nach Ansicht von Experten dafür noch nicht ausgereift genug. Die USA und die EU haben sich dennoch das Ziel gesetzt, die biometrische Verfahren zum neuen Standard bei der Personenidentifikation zu machen.

In einer aktuellen Studie kommt das deutsche Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zu dem Ergebnis, dass auch die besten Systeme zur Fingerabdruck-Identifikation noch Fehlerquoten von zwei Prozent aufweisen. Dies würde bedeuten, dass bei Grenzkontrollen jeder fünfzigste Reisende fälschlich vom Erkennungssystem abgewiesen wird.

Das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) zieht in einer Studie den Schluss, dass die drei Verfahren Gesichts-, Iris- und Fingerabdruckerkennung eine vergleichbare Leistungsfähigkeit haben. Während die Gesichtserkennung eine schlechte Erkennungsrate hat, erfordert der Iris-Scan einen hohen Bedienungsaufwand. Die Fingerabdruckerkennung ist keinem der anderen Verfahren überlegen, liefert aber relativ gute Durchschnittsergebnisse. Die Handgeometrie-Erkennung erzielte im Test die schlechtesten Werte.

Das sicherste biometrische Erkennungsmerkmal ist der "genetische Fingerabdruck" per DNA-Analyse. Sie hat seit Jahren in der Kriminalistik ihren Platz, kommt aber wegen der technischen Komplexität bei Personaldokumenten nicht in Frage. (APA)

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