"Die Angst vor Linux im Büro ist unbegründet"

5. Oktober 2004, 12:26
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Büroanwendungen für Linux sind einfach zu beherrschen und sicherer als vergleichbare Windows-Programme, sagt Autor Michael Kofler

Nicht nur im Zoo und nicht nur bei Kindern haben Pinguine eine beachtliche Fangemeinde. Der Pinguin wird auch immer häufiger auf Schreibtischen heimisch – und zwar in Form von Tux, dem Maskottchen des Open-Source-Betriebssystems Linux. "Linux im Büro ist reif für den Markt", sagt Michael Kofler, Autor von "Jetzt lerne ich Linux im Büro" (Verlag: Markt und Technik), das dieser Tage auf den Markt kommt.

"Ich verdamme Windows nicht, ich sehe darin auch Vorteile"

Auch wenn es nicht Koflers (Bild) erstes Buch über das alternative Betriebssystem ist – sein 1.300 Seiten starkes Werk "Linux – Installation, Konfiguration, Anwendung" ist bereits in der siebten Auflage erschienen – ist der Doktor der Telematik kein blindwütiger Linux- und damit Anti-Microsoft-Freak: "Ich verdamme Windows nicht, ich sehe darin auch Vorteile", räumt er ein. "Es ist auch weniger der Preis als vielmehr der Aspekt der Sicherheit, der für Linux spricht", relativiert er allzu blauäugige Lobeshymnen auf das Open-Source-Produkt.

Die Sicherheit von Linux sieht Kofler unter anderem darin begründet, dass der Anwender selbst keine Administratorrechte hat. Es ist ihm daher nicht möglich, anders als bei Windows, durch unüberlegte Eingriffe beispielsweise etwas im System zu installieren und zu deinstallieren oder etwas zu schreiben bzw. zu löschen. Dies macht es auch Viren, Würmern, Trojanern und Hackern so gut wie unmöglich, sich der Rechnerrechte zu bemächtigen und etwa den PC zu einem Spam-Roboter umzufunktionieren. Den Einwand, dass mittlerweile in Windows 2000 und XP sich neben dem Administrator beliebig viele weitere Nutzer mit niedrigeren Zugriffsrechten auf Verzeichnisse und die Hardware anlegen lassen, lässt er zwar gelten, doch: "Aus Bequemlichkeit geschieht das in sehr, sehr vielen Firmen meist nicht."

OSS

Auch die Art und Weise, wie Linux weiterentwickelt werde, sorge per se für ein sehr hohes Maß an Sicherheit: Als Open-Source-Software (OSS) ist bei Linux der Quellkode der jeweiligen Programme frei zugänglich und ohne Lizenzgebühren im Internet offen gelegt und kann so durch andere Benutzer bzw. Entwickler kontrolliert, notfalls korrigiert und weiterentwickelt werden.

"Für die normale Büroumgebung ist es aber absolut massentauglich"

Kofler verwendet selbst seit eineinhalb Jahren fast ausschließlich Linux am PC, auch sein aktuelles Buch ist vollständig unter Verwendung von Open-Source-Software geschrieben. Er kennt also die Vorteile, aber auch die Grenzen aus eigener Anschauung. "Linux startet nicht schneller, ist auch nicht unbedingt stabiler als aktuelle Windows-Versionen", bleibt er realistisch. Auch für große Multimediaanwendungen sei es noch nicht ganz ausgereift. "Für die normale Büroumgebung ist es aber absolut massentauglich", ist Kofler überzeugt.

Vorurtile

"Linux leidet nach wie vor an einer Reihe von Vorurteilen", bedauert der Autor. Die Schulungskosten seien bei weitem nicht so hoch, wie manche Studien das gerne weismachen wollten. Die Benutzerfreundlichkeit habe sich dramatisch verbessert. Sein Buch soll daher auch ein Beitrag sein, diese Vorurteile abzubauen. (Karin Tzschentke , DER STANDARD Printausgabe, 21. September 2004)

  • Das Büro MA2412

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