Steirische Spitzenpolitiker gegen die "Kultur des Todes"

21. September 2004, 07:00
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Die Zitrone müssen sich Schöggl und Purr für den Ehrenschutz einer Tagung der Abtreibungs-GegnerInnen "Jugend für das Leben" teilen - Voves zieht zurück

Am 17. Oktober wird die steirische Landeshauptstadt die fragliche Ehre besitzen, Schauplatz für eine Veranstaltung besonderen Kalibers zu sein: das Diözesankomitee der Katholischen Organisation Steiermark und "Jugend für das Leben" lädt zu seinem "6. Studientag" zum Thema Fristenregelung.

Eine durchaus illustre Runde wird dort den Abend rund um die Thematik "Kultur des Todes" bestreiten. Als Referent wird unter anderem Weihbischof Andreas Laun erwartet, der launige Ideenspender und Ratgeber gegen Sorgen und Nöte aller Art, der schon mal mit eigenen Kliniken seiner - wahrscheinlich "göttlichen" - Eingabe, "Homosexualität ist heilbar!", Nachdruck verleihen hätte wollen.

Mit Mars und Venus gegen die Rechte der Frauen

Ebenfalls Gästin des Abends ist die - laut Presseaussendung von "Youth for life" - "Familientherapeutin" Brigitte Becvar-Jost, die vor allem für Publikationen wie "Das astrologische Herrschersystem" oder für ihre Mitarbeit in der Ausbildung zum "psychologischen Astrologen" bekannt ist.

Moderiert wird der Abend von Christian Baier, seines Zeichens Journalist und engagierter Fürsprecher für christliche Werte. Wie zum Beispiel anlässlich des "Tag der Hauskirche" im Oktober 2003, wo er betonte, dass Monogamie und Unauflöslichkeit die signifikantesten Charakteristika der christlichen Ehe seien. Vor allem für die Frauen sei die Ehe etwas ganz Tolles, könnten sie doch in diesem "unauflöslichen Lebensbund als gleichberechtigte Partnerin neben ihrem Mann [zu] stehen, ohne mit Nebenfrauen konkurrieren zu müssen oder verstoßen werden zu können." Als Mensch gleicher Würde sei sie nicht beliebig austauschbar, wenn sie alt und runzelig werde oder ihre "Funktionen" nicht (mehr) erfüllen könnte.

Zur "Männin emanzipiert" werden

Eine Gesellschaft, die Frauen als Frauen akzeptiere - so Baier weiter -, versuche die "Fraulichkeit" weder als etwas Minderwertiges abzuqualifizieren, wie dies in anderen Kulturen der Welt geschehe, noch sie zur "Männin" zu "emanzipieren".

In dieser Thematik besonders bewandert muss man eigentlich nicht sein, um anhand von "Jugend für das Leben" als involvierte Organisation und Andreas Laun als Referent auf die allgemeine Stoßrichtung der Veranstaltung schließen zu können. Was drei Herren der Schöpfung, nämlich die stellvertretenden Landeshauptleute der Steiermark, Franz Voves (SPÖ) und Leopold Schöggl (FPÖ), sowie der steirische Landtagspräsident Reinhold Purr (ÖVP) entweder nicht geschafft haben, oder gar nicht schaffen wollten. Haben sie doch den Ehrenschutz für diese Veranstaltung, die unter anderem vom Stift Admont finanziell unterstützt wird, übernommen.

Alles umsonst?

Gut, dass ÖVP und FPÖ diese Tagung unterstützen, ist zwar bedenklich, aber dennoch nachvollziehbar. Dass aber ein Vertreter der SPÖ, noch dazu einer der ranghöchsten der Steiermark, diese Veranstaltung zur Untergrabung hart erkämpfter Frauenrechte mit seinem Ehrenschutz mitträgt, ist sicherlich nicht nur für viele Frauen in der SPÖ ein Schlag ins Gesicht.

Kann da eine gewisse "Quereinsteigernaitivität" ins Treffen geführt werden? Oder Eitelkeit? Oder Ignoranz gegenüber scheinbaren Frauenthemen? Oder macht das vielleicht gar keinen Unterschied, weil PolitikerInnen mit ihrer großen Verantwortung selbst umgehen müssen, sonst sind sie für diesen Job - oder aber auch nur für die jeweilige Partei - ganz einfach ungeeignet.

(e_mu)

21.09.2004

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