Verwirrung um Islamisten-Kongress in Wien

23. September 2004, 19:14
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Behörden und moslemischen Organisationen liegen keine Informationen vor

Wien/Berlin - Der möglicherweise in Wien geplante Islamisten-Kongress sorgt weiter für Verwirrung. Nachdem die Veranstaltung in Berlin am Montag verboten worden war, hatte einer der Hauptorganisatoren, der Libanese Fadi Madi, in Beirut gegenüber "Spiegel online" die Absicht geäußert, den "Erste arabischen islamischen Kongress" nun in Wien durchführen zu wollen. Er habe bereits erste Kontakte geknüpft, sagte Madi. In Wien liegen dazu weder den Behörden noch moslemischen Organisationen Informationen vor.

Rathaus nicht angefragt

So teilte der Sprecher von Innenminister Ernst Strasser (V), Johannes Rauch, am Mittwoch gegenüber der APA mit, es gebe derzeit keinerlei Hinweise dafür, dass ein Islamistenkongress in Wien geplant sei. Auch die Meldung der "Berliner Zeitung", wonach sich die Organisatoren des Konvents um das Wiener Rathaus als Veranstaltungsort bemüht hätten, wurde vom Büro des Wiener Bürgermeisters Michael Häupl (S) gegenüber der APA dementiert.

Eine Sprecherin der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich erklärte ebenfalls, ihr seien keinerlei Vorbereitungen in dieser Richtung bekannt. "Weder wurde mit uns diesbezüglich Kontakt aufgenommen, noch wissen wir von in Österreich ansässigen muslimischen Vereinen oder Organisationen, dass sie mit einem derartigen Kongress in irgendeiner Weise involviert wären".

Für Verwirrung sorgt auch die Meldung von "Spiegel online", die Veranstalter des Islamistenkongresses würden am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Duisburg nähere Einzelheiten über die geplante Verlegung nach Wien bekannt geben. Die Europa-Redaktion der Deutsche Pressagentur (dpa) erklärte, ihr sei über eine derartige Pressekonferenz nichts bekannt. Es wäre schon seltsam, dass es eine Pressekonferenz geben würde, zu der die Medien nicht eingeladen worden sind. Der dpa liege lediglich ein e-mail von Fadi Madi vor, in dem es heißt, es würden innerhalb der nächsten 50 Stunden weitere Informationen veröffentlicht werden, allerdings nicht am Mittwoch.

Kongress in Deutschland verboten

Der ursprünglich für Berlin geplante Kongress war nach einer Intervention von Innenminister Otto Schily (SPD) vom Berliner Senat verboten worden. Die Veranstaltung hätte von 1. bis 3. Oktober in der deutschen Hauptstadt stattfinden sollen. In Berlin waren für das erste Oktoberwochenende bereits 150 Hotelzimmer reserviert worden. Der "Erste arabische islamische Kongress" wolle für den irakischen und palästinensischen Widerstand eine "legitime, heilige und prinzipielle Pflicht" erfüllen, hieß es in einem Internetaufruf der Organisatoren. Das Motto der Veranstaltung sollte "Steh auf und leiste Widerstand" lauten.

Die deutschen Behörden hatten hinter den Formulierungen Aufrufe zu Anschlägen befürchtet und den Konvent wegen "Billigung schwerer Straftaten" und der "vorbehaltlosen Unterstützung der Widerstandsbewegung im Irak" untersagt. Gegen Fadi Madi wurde außerdem ein Ermittlungsverfahren wegen "Werbens um Mitglieder und Unterstützer ausländischer terroristischer Vereinigungen" eingeleitet. Der Libanese wurde im Flughafen Berlin-Tegel festgenommen und in den Libanon abgeschoben. Seine Aufenthaltserlaubnis für Deutschland wurde ihm aberkannt. (APA)

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