"Kukushka": Mann an der Kette

26. März 2005, 22:45
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Versuchte Völkerverständigung: "Kukushka" von Aleksandr Rogoshkin im Kino

Wien - Kukushka (zu deutsch: "Kuckuck") von Aleksandr Rogoshkin spielt während des Zweiten Weltkriegs im September 1944 in der finnischen Tundra. Es ereignen sich auf den ersten Blick ein wenig unverständliche Dinge:

Ein Uniformierter (Ville Haapsalo) wird von anderen an einen Felsen gekettet. Währenddessen soll von anderswo ein anderer Gefangener (Viktor Bytchkov) per Jeep in ein Lager verbracht werden. Der Jeep gerät jedoch unter Flugzeugbeschuss, der Mann überlebt als einziger schwer verletzt und wird von einer jungen lappischen Witwe (Anni-Kristiina Juuso) gefunden.

Der Soldat arbeitet zur gleichen Zeit hartnäckig daran, sich von seinem Felsen zu befreien. Mehrere Tage dauern die Versuche an - Brillengläser werden zu einem Brennglas umfunktioniert, Feuerhitze setzt dem Stein zu, in dem der Nagel sitzt, der seine Kette hält - schließlich zeigt das unbeirrbare Bearbeiten der Fessel Wirkung.

Sprachverwirrung

Der Mann stößt zu den beiden anderen Figuren. Die Montage und der Blick durch sein Zielfernrohr hat ihn schon vorher mit diesen verbunden. Die Dynamik zwischen den drei Personen bildet fortan das Kernstück des Films. Jeder von ihnen spricht eine andere Sprache:

Der Finne hält - nach dem einsamen Kampf an der Kette - lange Reden, der verwundete Russe gibt den Schweigsamen und die Lappin beschränkt sich meist auf pragmatische Interventionen. Während die Männer, jeder für sich und vom anderen unverstanden, mit dem Krieg und ihrem Schicksal hadern, verfolgt die Frau, ganz naturverbunden, noch ein anderes Interesse:

Seit dem Tod ihres Mannes hat sie alleine in der Einschicht gelebt, nun hat sie die Wahl gleich zwischen zwei potenziellen Kandidaten zur Befriedigung ihrer sexuellen Bedürfnisse - ein Umstand, der den Film letztlich allerdings auf eine kalkulierte Lachnummer reduziert.

Kukushka erzählt diese eigentümliche Geschichte, die uns wohl etwas von der Beständigkeit allgemein menschlicher Bedürfnisse selbst in Zeiten höchster Konfusion und Aussichtslosigkeit vermitteln soll, vor allem in Bildern. Geredet wird die längste Zeit recht wenig und auch Offmusik kommt nur sparsam zum Einsatz. Diese angenehme Zurückgenommenheit wird allerdings von jenem Aufwand konterkariert, den der Regisseur ganz offensichtlich betrieben hat, um die wenigen Menschen und die weite Landschaft gefällig ins Bild zu setzen:

Beim Blick aufs Rentiergehege etwa denkt man sich unweigerlich auch den Kamerakran dazu, der hier offenkundig im Einsatz war. Prätentiöse Schwenks über Naturschönheiten tun das Ihre dazu, dass man sich mitunter in einer Reisedoku wähnt. (DER STANDARD, Printausgabe, 21.9.2004)

Von
Isabella Reicher

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    foto: polyfilm
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