Auch bei Wahnideen gibt es Trends

27. September 2004, 14:02
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Psychiatrie-Symposium in Tirol: Religiöser Wahn spielt bei Schizophrenie keine Rolle mehr

Innsbruck - Wahnvorstellungen sind zentraler Bestandteil bei schizophrenen Erkrankungen. Wie sich dieser Wahn allerdings ausdrückt, ist zeit-und kulturabhängig, erklärt Hartmann Hinterhuber, Vorstand der Universitätsklinik für Psychiatrie in Innsbruck.

Dies wurde in Innsbruck durch die Auswertung von Krankengeschichten nun auch empirisch belegt. Der hierzulande über Jahrzehnte eine dominante Rolle spielende religiöse Wahn ist fast verschwunden, jetzt dominieren Computer, die vermeintlich das Denken leiten, die Wahn-und Verfolgungsideen.

Bereits zum 15. Mal fand vergangenes Wochenende in Seefeld das "Alpenländische Psychiatrie-Symposium" statt, heuer unter dem Titel "Schizophrenie - Ursachen, Therapie und Outcome".

Als wesentlichste Ursache für Schizophrenie gilt eine Stoffwechselstörung, die Wolfgang Fleischhacker, Leiter der Abteilung für Biologische Psychiatrie in Innsbruck, mit dem Ausfall einer Filterfunktion erklärt. Quer durch die Kontinente und Kulturen erkranke etwa ein Prozent der Weltbevölkerung im Laufe ihres Lebens an Schizophrenie, woraus Fleischhacker den Schluss ableitet, dass biologische Grundlagen als zentrale Ursache zu bewerten seien.

Bei 20 Prozent der Erkrankten sei eine völlige Heilung möglich, bei gleich vielen Patienten "stehe die Medizin an", dazwischen gebe es ein breites Spektrum unterschiedlicher Verläufe. Als einzige Uniklinik Österreichs verfügt Innsbruck über eine Schizophrenie-Ambulanz, an der derzeit 200 Patienten betreut werden. Bei den 5000 stationären Aufnahmen jährlich lautet bei zwölf Prozent die Diagnose Schizophrenie. (hs/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21. 9. 2004)

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