21.9.: Koffer ohne Verlag

28. September 2004, 19:40
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Ueberreuter lässt den Austrokoffer fallen: "Ursprüngliches Konzept läßt sich nicht mehr um­setzen" - Nenning sucht neuen Verlag

Wien –Der Ueberreuter Verlag zieht sich endgültig aus dem "Austrokoffer"-Projekt zurück. Der Hauptgrund für die Entscheidung sei, so eine Verlagsaussendung, "die Ablehnung vieler österreichischer Autorinnen und Autoren".

Aufgrund der vorliegenden Absagen lasse sich nach Einschätzung des Verlags "das ursprüngliche Konzept, eine repräsentative Sammlung der österreichischen Literatur nach 1945 zu publizieren, nicht mehr umsetzen" – und auch ökonomisch sieht Ueberreuter für das Projekt auf dem Buchmarkt nicht länger eine reelle Chance.

Bereits am vergangenen Donnerstag hatte Verlagsleiter Fritz Panzer im Gespräch mit Günther Nenning und Franz Morak daher intern seinen Rückzug angekündigt, mit dem Gang an die Öffentlichkeit jedoch gewartet, um vorab die Übergabe zu regeln. Am Montag verkündete dann Günther Nenning Ueberreuters Ausstieg – und sein Beharren auf dem Projekt. Nenning sucht nun einen neuen Verlag oder denkt an die Gründung eines "Verlagsbunds literarischer Verlage" für die literarisch-patriotische "Parallelaktion" zum Jubiläumsjahr.

Statt einer repräsentativen Sammlung spricht Nenning nun von einer "Auslese" von "Vergessenen, Bleibenden, Künftigen": "Aus Repräsentation wird Auslese. Zum Herzensruf, bitte komm, ertönt ein Ruf aus tieferen Körperteilen – dort, wo der Mut sitzt."

Nenning verkündet also eine "Gegenoffensive" und gibt sich "eisern zuversichtlich". Am kommenden Freitag will er den "Austrokoffer neu" der Öffentlichkeit präsentieren, gemeinsam mit den jüngst gewonnenen Ko-Herausgebern, Marie-Therese Kerschbaumer, Robert Schindel und Julian Schutting. Die Subventionszusagen von Bund, Ländern und Private-Public-Partnership bleiben, laut Nenning, auch dem künftigen Projekt erhalten. Weitere Unterstützung erhielt der Koffer jüngst von Milo Dor und Johannes Mario Simmel. (DER STANDARD, Printausgabe, 21.9.2004)

Von Cornelia Niedermeier
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    montage: derstandard.at
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