Asylkonflikt zwischen Malta und Italien

22. September 2004, 11:18
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Flüchtlinge wollten unbedingt nach Sizilien

Flüchtlingsschiffe gehören an der sizilianischen Küste beinahe schon zum Alltagsbild. Doch das gelbe Holzboot, das am Samstag von der Marine neun Seemeilen vor der Südküste in Schlepptau genommen wurde, ist kein gewöhnlicher Fall. Seit drei Tagen werden die 94 Menschen, die auf diesem Boot waren, in einem stickigen Hangar des Hafens von Pozzallo festgehalten.

Die 70 Männer und 24 Frauen aus Somalia, Eritrea und Äthiopien sind Streitobjekte eines Konflikts zwischen Italien und Malta – mit ungewissem Ausgang.

Das Boot hatte mit rund doppelt so vielen Menschen an Bord die libysche Küste in der Nacht zum Donnerstag verlassen und wurde am Freitagmorgen von einem maltesischen Patrouillenboot eine Seemeile vor der Küste der Insel angehalten. 102 Flüchtlinge wurden in den Hafen von La Valletta gebracht. Die übrigen weigerten sich und beharrten darauf, die Fahrt nach Sizilien fortzusetzen. Auch die Warnung der Küstenwache vor dem hohen Seegang konnte sie nicht abschrecken. Gegen Mitternacht nahm das Boot Kurs auf Sizilien.

Italienische Behörden reagierten umgehend. Nach dem Dubliner Abkommen sei Malta verpflichtet, die Flüchtlinge zurückzunehmen. Die maltesische Regierung dementierte italienische Vorwürfe, die illegalen Einwanderer mit Wasser und Benzin versorgt zu haben.

Innenminister Tonio Borg sieht eine "Notstandssituation" auf der Insel: "Für uns sind 30 illegale Einwanderer so viel 3000 in Sizilien". Es sei Libyen, das die Flüchtlinge zurücknehmen müsse. Borg: "Im Vorjahr sind 1680 Menschen bei uns gelandet. Das ist die Hälfte unserer jährlichen Geburtenrate." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.9.2004)

Gerhard Mumelter aus Rom
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