Deutsche Telekom könnte nach Aktienrückkauf T-Online schlucken

28. September 2004, 10:30
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Experten halten kombinierte Transaktion für möglich - Kapitalmittel und Bilanz würden geschont

Mit einem Kunstgriff könnte die Deutsche Telekom zwei drängende Probleme auf einen Streich lösen und damit ihrem Aktienkurs neuen Auftrieb geben. Experten halten es für möglich, das der größte europäische Telekom-Konzern in einer kombinierten Transaktion eigene Aktien vom Großaktionär Bund erwirbt, mit diesen Aktien die Internet-Tochter T-Online kauft und diese auf sich selbst wieder verschmilzt.

Mit einem solchen Doppelschlag würde Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke zwei Probleme lösen. 43 Prozent der Telekom gehören noch dem Staat - 17 Prozent direkt dem Bund, weitere 26 Prozent sind bei der staatlichen KfW Bankengruppe geparkt. Analysten sprechen von einem "Damoklesschwert" für den Aktienkurs, da der unter Finanzproblemen leidende Bund angekündigt hat, bis Ende 2006 alle Telekom-Aktien zu verkaufen. Die Investoren erwarten daher tiefere Kurse bei einer Platzierung.

Eine weitere Baustelle ist die Zukunft von T-Online. Seit Monaten prüft der Bonner Konzern, wie das Internet-Geschäft stärker mit der Festnetzsparte verzahnt werden kann, um die Marktführerrolle zu sichern. Als Optionen wurden explizit eine Verschmelzung oder ein Rückkaufangebot für die 26 Prozent der T-Online-Anteile genannt, die der Telekom nicht gehören.

Eine Kombination aus dem Rückkauf eigener Aktien und einer anschließenden Verschmelzung mit T-Online hätte deutliche Vorteile gegenüber anderen Optionen, da die Kapitalmittel und die Bilanz geschont würden. So würde eine Übernahme von Aktien des Bundes oder der KfW und ein Kauf von T-Online gegen Bargeld die Kapitalmittel der Telekom fast aufzehren. Die angekündigte Dividende oder geplante Investitionen würden dann hinfällig. Eine andere Möglichkeit wäre, dass T-Online durch eine Kapitalerhöhung geschluckt würde. Dies hätte aber zur Folge, dass durch die dann höhere Zahl der Aktien das Ergebnis der Telekom verwässert würde.

Bei einer Kombination aus Aktien-Rückkauf und Verschmelzung bliebe hingegen die Zahl der Telekom-Aktien konstant, da letztlich nur die Eigentümerschaft der Aktien vom Staat auf die T-Online-Aktionäre übergehen würde. Daher liegt es nahe, dass die Telekom ihr Bargeld für den Kauf eigener Aktien nutzt, T-Online jedoch mit Aktien bezahlt. Die Übernahme von T-Online könnte die Telekom Analysten zufolge einschließlich eines Preisaufschlags auf den Börsenkurs bis zu 3,3 Milliarden Euro kosten. Für diese Summe könnte die Telekom vom Bund oder der KfW 226 Millionen Aktien oder 5,5 Prozent des eigenen Kapitals zurückkaufen und damit ihren Kurs antreiben.

Bei dem Rückkauf eigener Aktien müsste die Telekom jedoch zu einem Trick greifen, mit dem der Axel Springer Verlag im vergangenen Jahr eigene Aktien vom Großaktionär Deutsche Bank erwarb. "Alle Aktionäre müssen bei einem Aktienrückkauf gleich behandelt werden", erläuterte der auf Kapitalmarkttransaktionen spezialisierte Rechtsanwalt Peter Erbacher von der Kanzlei Linklaters Oppenhoff & Rädler. Ein direkter Kauf vom Staat ist der Telekom daher untersagt. Der Konzern müsse ein öffentliche Offerte an alle Aktionäre unterbreiten und dabei den Angebotspreis so niedrig ansetzen, dass außer dem Staat kein anderer Aktionär ein Interesse am Verkauf seiner Aktien an die Telekom hat. "Das wäre rechtlich möglich und praktikabel", sagte Erbacher.

Teil Zwei der Transaktion wäre dann die Abfindung der Aktionäre von T-Online und damit die Verschmelzung mit der Telekom. "Eine Verschmelzung ist zwar ein langwierigerer Prozess und deshalb nicht so häufig", sagte ein mit der Materie vertrauter Rechtsanwalt. Christoph von Bülow, Partner bei der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer, sieht den Vorteil einer Verschmelzung darin, dass die Telekom dafür lediglich eine Drei-Viertel-Mehrheit auf der Hauptversammlung bräuchte. Bei einem öffentlichen Kaufangebot für die restlichen 26 Prozent an T-Online wäre dagegen eine Mehrheit von 95 Prozent erforderlich.

"Der Charme der Verschmelzung liegt darin, dass man mit einer 75-prozentigen Mehrheit bereits einen Zusammenschluss beschließen kann, ohne dass die außen stehenden Aktionäre etwas machen können", sagte von Bülow. Die Experten weisen allerdings darauf hin, dass kritische Aktionäre gerichtlich die Höhe des Verschmelzungsangebots anfechten können. Letztlich würden diese Anteilseigner aber zwangsweise mit Telekom-Aktien abgefunden. (APA/dpa)

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