Zweiter Anlauf für Kapitalerhöhung

20. September 2004, 19:59
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Drei Viertel des anwesenden Kapitals müssen grünes Licht für Aufstockung geben - Kovats-Gruppe beteuert: Stimmen dafür

Wien - Der börsenotierte Linzer Technologiekonzern VA Tech unternimmt am Dienstag einen weiteren Versuch, sein Grundkapital aufzustocken. Bei der ordentlichen Hauptversammlung des Unternehmens Ende April war dies bereits einmal versucht worden - die Initiative war aber überraschend gescheitert. Die für eine Kapitalerhöhung notwendige Erweiterung des Rahmenkapitals ist damals von der Investorengruppe um Mirko Kovats und anonymen Schweizer Aktionären zu Fall gebracht worden. Ob die außerordentliche Hauptversammlung diesmal Grünes Licht geben wird, ist offen. Der VA Tech-Vorstand gibt sich jedenfalls zuversichtlich.

Zwei Tagesordnungspunkte

Die morgen im Linzer Design Center stattfindende außerordentliche Hauptversammlung hat nur zwei Tagesordnungspunkte: Im ersten Tagesordnungspunkt soll der Vorstand ermächtigt werden, das Grundkapital um bis zu 27,8 Mio. Euro bzw. 3,83 Mio. Aktien zu erhöhen. Der zweite Tagesordnungspunkt der um 10.00 Uhr beginnenden Sitzung ist von untergeordneter Bedeutung: Er betrifft die neue Wirtschaftsprüfungsgesellschaft des Unternehmens, Ernst & Young.

Der Aufsichtsrat hatte Ende August die angestrebte Kapitalerweiterung einstimmig - also auch mit den Stimmen der ÖIAG-Vertreter sowie der von der Kovats-Gruppe entsandten Aufsichtsräte - einstimmig angenommen. Garantie dafür, dass der Beschluss planmäßig über die Bühne geht, ist das freilich keine: Auch der turbulenten Hauptversammlung am 29. April war ein solcher Beschluss des Kontrollgremiums vorausgegangen - was nichts am späteren Nein der Hauptversammlung änderte.

Frisches Geld dringend benötigt

Zusätzliche Schwierigkeit: Laut Satzung der VA Tech müssen der Kapitalerhöhung drei Viertel des anwesenden Kapitals zustimmen. Weil bei einer solchen Hauptversammlung oft nur die Hälfte des stimmberechtigten Kapitals vertreten ist, ist ein Ja gegen den Willen eines großen Einzelaktionärs praktisch nicht durchzusetzen. Die VA Tech braucht dringend frisches Geld für die Sanierung der Problembereiche T&D (Energieverteilung) und Wabag (Wassertechnik). Ursprünglich wollte man in Linz eine Erhöhung des Grundkapitals um bis zu 50 Prozent - der Rahmen, der nun abgesegnet werden soll, entspricht aber nur einer etwa 25-prozentigen Erhöhung.

Die ÖIAG, die einem Mitziehen zuvor eher reserviert gegenübergestanden war, wird nach der Änderung des Privatisierungsauftrags durch die Regierung bei einer allfälligen Kapitalerhöhung nach heutigen Kursen an die 30 Mio. Euro in die Hand nehmen müssen, um ihren Anteil von 14,7 Prozent halten zu können. Die Regierung hatte kürzlich ihren Privatisierungsauftrag für die VA Tech geändert, nachdem vor drei Wochen Übernahmepläne des deutschen Elektro-Riesen Siemens bekannt geworden waren.

Stimmverhalten der neuen Großaktionäre ungewiss

Die Kovats-Gruppe, die seit vergangenem Freitag mehr als 15 Prozent hält und damit zum größten Einzelaktionär der Linzer aufgerückt ist, hat erst am Montag im ORF-Fernsehen wieder beteuert, für eine Kapitalerhöhung stimmen zu wollen - wenn sie es tatsächlich tut, dürfte diese ohne Probleme über die Bühne gehen. Dies könnte auch das Stimmverhalten jener unbekannten Schweizer Aktionäre (8 bis 9 Prozent des Kapitals) beeinflussen, die Ende April - zusammen mit Kovats - die Kapitalerhöhung zu Fall gebracht hatten. Unbekannt ist, wie die beiden neuen VA Tech-Großaktionäre Goldman Sachs und Fidelity (jeweils etwa 5 Prozent) abstimmen werden. (APA)

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