Restless Legs Syndrom als Volkskrankheit

24. September 2004, 19:40
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Dennoch ist die Krankheit den wenigsten geläufig

Wien - Eine noch immer weitgehend unbekannte Volkskrankheit: Allein in Österreich leiden rund 900.000 Menschen am Restless Legs Syndrom (RLS). Oft wird das Leiden - die Betroffenen klagen vor allem über die damit verbundenen schweren Schlafstörungen - nicht diagnostiziert und noch seltener behandelt, hieß es am Wochenende bei einem Medienseminar in Gars am Kamp in Niederösterreich.

Weite Verbreitung, geringe Bekanntheit

Der Wiener Neurologe Dr. Dieter Volc: "Durchschnittlich sind sieben Prozent der männlichen und 13 Prozent der weiblichen europäisch-stämmigen Bevölkerung von diesem Syndrom betroffen. Über dem 65. Lebensjahr scheint jeder Vierte daran zu leiden." Obwohl RLS bereits 1685 zum ersten Mal beschrieben wurde, hat es erst seit 1945 durch den schwedischen Arzt Dr. Karl-Axel Ekbom eine intensive wissenschaftliche Aufarbeitung erfahren.

Dennoch sei dieses Syndrom selbst in der Ärzteschaft noch nicht vollständig bekannt, hieß es. "Das Schlimme daran", so Waltraud Moldaschl, Präsidentin des Dachverbandes der Österreichischen RLS-Selbsthilfegruppen: "Man wird als Hypochonder abgestempelt. Selbst im Familien-, Freundes- und Verwandtenkreis findet man kaum Verständnis. Viele Betroffene werden dadurch in die soziale Isolation gedrängt."

Zermürbende Wirkung

Das Hauptcharakteristikum ist ein unbändiger Bewegungsdrang, kombiniert mit Gefühlsstörungen in den betroffenen Extremitäten. Nur durch aktive Bewegung kommt es zu einer Besserung der unangenehmen Empfindungen. Da dieses Phänomen ausschließlich während der Ruhephasen auftritt, also vor allem abends im Bett, entwickeln sich aus dem RLS oft Schlafstörungen, in der Folge können schwere Depressionen hinzukommen. Volc: "Das ist keineswegs nur eine harmlose Missempfindung! Durch das zermürbende Leiden werden Betroffene mitunter sogar in den Suizid getrieben." Die Schlafstörungen wurden mittlerweile auch durch den Wiener Schlafforscher Univ.-Prof. Dr. Bernd Saletu objektiv belegt.

Mittlerweile gibt es eine gute Behandlungsmöglichkeit. Neurologe Volc: "Eine Heilung des RLS ist bisher nicht möglich, weil man die letztendliche Ursache dieser Störung noch nicht kennt. Jedoch kann nun durch die richtige Behandlung Beschwerdefreiheit erzielt werden. Dabei kommen Parkinson-Medikamente zum - äußerst erfolgreichen - Einsatz. In den meisten Fällen verschwinden die Symptome bei der richtigen Therapie bereits nach einer Woche. Studien im Schlaflabor beschreiben sogar Fälle, bei denen bereits in der ersten Nacht eine Verminderung der nächtlichen Beinbewegungen um 75 Prozent erzielt werden konnte!"

Medikation

Seit 1. April 2004 gibt es in Österreich ein speziell für dieses Anwendungsgebiet zugelassenes Medikament. Es handelt sich um eine Kombination von Levodopa (Morbus Parkinson) und der Substanz Benserazid. (APA)

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