Wiener ÖVP: "Das Ronacher so lassen, wie's ist"

23. September 2004, 11:50
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Stimmt gegen Umbau: Geld­ver­schwendung und "klassische PR-Aktion á la Mailath-Pokorny" - SPÖ: "Kulturfeindliche Argumentation"

Wien - Am Donnerstag soll im Wiener Gemeinderat der Finanzierungsrahmen des Ronacher-Umbaus beschlossen werden - 46,8 Mio. Euro. "Das sind sieben oder acht Jahre Betrieb für sämtliche Kleinbühnen Wiens", meinte Montag der Klubobmann der Wiener ÖVP, Matthias Tschirf, im Rahmen einer Pressekonferenz. Für den Wiener VP-Kultursprecher Andreas Salcher handelt es sich dabei um Geldverschwendung, um eine "klassische PR-Aktion á la (Kulturstadtrat Andreas, Anm.) Mailath-Pokorny" und "ein völlig sinnloses Projekt." Die Rathaus-VP wird dieser "kulturpolitisch und finanzpolitisch völlig falschen Entscheidung" (Salcher) nicht zustimmen.

"Grottenschlechte" Kulturpolitik

"Die Kulturpolitik von Mailath-Pokorny ist nicht links, nicht rechts, nicht liberal und nicht konservativ, sondern einfach grottenschlecht", sagte Salcher. Der Vorschlag der Wiener ÖVP: "Das Ronacher so lassen, wie's ist." Es sei "eine Unwahrheit, dass man dort nicht spielen kann". Mit kleinen technischen Adaptierungen sei es sicher getan. Dafür sollte im Bereich Film- und Medienausbildung und im Bereich der Musikschulen investiert werden. Es sei "eine Riesenschande für diese Stadt, dass nicht jedes Kind, das die Voraussetzungen hat, eine Musikschule besuchen kann", monierte Salcher und warf Mailath-Pokorny vor, er betone stets seine ressortmäßige Unzuständigkeit, wehre aber gleichzeitig Anträge ab, die Musikschulen in das Kulturressort zu übersiedeln.

Kritik an "Intransparenz" bei Vereinigten Bühnen

Gleichzeitig wurde die Intransparenz der Gebarung des im Bereich der Wiener Holding angesiedelten Musical-Betreibers Vereinigten Bühnen Wien (VBW) kritisiert: "Es gibt keine Informationen, wir wissen nichts über entscheidende betriebswirtschaftliche Kenndaten", sagte Salcher. Dies sei umso bedenklicher, als die Wiener Steuerzahler die eigentlichen Eigentümer der VBW wären. Er habe den Eindruck, das kritisierte Vorgehen sei "nicht das Problem der Geschäftsführung, sondern dort entscheidet nicht der Eigentümervertreter, sondern eine Partei." Man überlege, ob man versuchen werde, den Rechnungshof einzuschalten, sagte Tschirf, von ihm verspreche man sich mehr Biss als vom Kontrollamt.

SPÖ: "Kulturfeindliche Argumentation der ÖVP"

"Kulturfeindliche Argumentation" und "völlige Inkonsequenz" warf der Kultursprecher der Wiener SPÖ, Ernst Woller, der ÖVP in Zusammenhang mit der Kritik am Ronacher-Umbau vor. "Die ÖVP fordert einerseits die komplette Rekonstruktion der Wiener Sofiensäle, die sich bekanntlich in Privatbesitz befinden, gleichzeitig will sie das denkmalgeschützte Ronacher mitten in der Wiener Innenstadt ungenützt verkommen lassen", entgegnete Woller. Die FPÖ forderte indes einen "sofortigen Stopp der unverantwortlichen Umbaupläne und die Vorlage eines Finanzierungskonzeptes für das Ronacher, aus dem abgeleitet ist, dass sich der Umbau für die Wiener rechnet".

FPÖ: "Sündteurer Umbau" unvertretbar

Der FPÖ-Angeordnete Wilfried Serles, stellvertretender Vorsitzende des Kontrollausschusses, meinte in einer Aussendung, dass der "sündteure Umbau" "wirtschaftlich in keinster Weise vertretbar und eine Zumutung für den Wiener Steuerzahler" wäre. Wien sei offensichtlich die einzige Stadt, wo man "mit Musicals satte Verluste erwirtschafte". "Es ist jedenfalls völlig verfehlt, Musicalproduktionen als hochsubventionierte Kunstsparte auf Dauer zu betreiben", so Serles.

Für Woller ist der Umbau des Ronachers jedenfalls "eine wesentliche Kulturinvestition", "die Wien als Musik- und Kulturstandort noch attraktiver machen" und "den jährlich 500.000 bis 600.000 Musicalbesuchern eine interessante Spielstätte bieten" soll. (APA)

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