Schicksal ausländischer Geiseln bleibt weiter ungewiss

21. September 2004, 10:17
8 Postings

Briten, US-Amerikaner und Italiennerinnen weiterhin in der Gewalt von Extremisten

Bagdad - Kurz vor Ablauf eines von Extremisten gestellten Ultimatums war am Montag das Schicksal einer britischen und zweier US-Geiseln im Irak weiter ungewiss. Ihre Entführer haben gedroht, den in der vergangenen Woche verschleppten Männern die Kehlen durchzuschneiden, sollten nicht bis Montag alle weiblichen Häftlinge aus den irakischen Gefängnissen Abu Ghraib und Umm Kasr freigelassen werden.

Verschleppte Italienerinnen an Al Zarqawi verkauft?

Auch von zwei französischen Journalisten, die vor einem Monat im Irak entführt worden waren, fehlte weiter jede Spur. Die italienische Nachrichtenagentur ANSA hatte am Wochenende berichtet, zwei verschleppte Italienerinnen seien möglicherweise an Anhänger des Al-Kaida-Verbündeten Abu Mussab al Zarqawi verkauft worden. Die Extremisten-Gruppe hat dies inzwischen jedoch dementiert.

Die Organisation Al Zarqawis hatte sich im Internet auch zu der Entführung des Briten und der beiden Amerikaner bekannt. Bewaffnete Männer hatten am Donnerstag das Haus der drei Zivilisten in Bagdad überfallen und die Männer verschleppt.

Nach Angaben des US-Militärs befinden sich in beiden von den Entführern erwähnten Gefängnissen keine weiblichen Inhaftierten. In US-Gewahrsam seien lediglich zwei Frauen, denen vorgeworfen werde, für das Waffenprogramm des gestürzten irakischen Präsidenten Saddam Hussein gearbeitet zu haben.

25 Millionen US-Dollar Kopfgeld auf Al Zarqawi

Al Zarqawis Gruppe Tawid und Dschihad wird für zahlreiche Entführungen und Anschläge im Irak verantwortlich gemacht. Sie hat sich auch zur Enthauptung einer US-Geisel im Mai und eines Südkoreaners im Juni bekannt. Für die Ergreifung des Jordaniers Al Zarqawi haben die USA ein Kopfgeld von 25 Millionen Dollar (20,5 Mill. Euro) ausgesetzt.

Der französische Innenminister Dominique de Villepin sagte in einem Zeitungsinterview, er bereite sich auf ein langes Warten bis zur Freilassung der beiden verschleppten Journalisten vor. Er zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass die beiden Männer noch am Leben seien. "Alle Hinweise scheinen zu bestätigen, dass die Geiseln noch leben. Aber wir sind wegen der Lage im Irak in einer extrem schwierigen Situation", sagte der Minister der Zeitung "Republicain Lorrain".

Journalisten freiwillig bei Entführern?

Am Wochenende hatte die radikale Gruppe Islamische Armee eine Erklärung im Internet veröffentlicht, wonach die Gefangenschaft der beiden Journalisten beendet sei. Sie befänden sich nun freiwillig weiter bei der Gruppe, um über sie zu berichten. Die Echtheit der Mitteilung konnte nicht geprüft werden.

ANSA zitierte den irakischen Vize-Außenminister Hamid al-Bajati mit den Worten, er habe Informationen erhalten, wonach die beiden italienischen Geiseln von Bagdad in die Rebellenhochburg Falluja verschleppt worden seien. Weitere Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt.

In der Gewalt einer militanten Gruppe im Irak befinden sich auch zehn Arbeiter einer eines türkisch-amerikanischen Unternehmens. Am Sonntag entführte eine Extremisten-Gruppe zudem 18 Mitglieder der irakischen Nationalgarde. Sie würden getötet, sollte ein Vertrauter des radikalen Schiitenpredigers Muktada al Sadr nicht binnen 48 Stunden freigelassen werden, teilte die Gruppe mit. (APA/Reuters/ANSA)

Share if you care.