"Er heizt mit seiner Theatralik auf"

1. Oktober 2004, 14:37
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Schiri-Kommission mit Verhalten von Rapid-Trainer Hickersberger nicht glücklich - Brugger verweigerte Hicke nach Match Handschlag

Wien - Die Wiener Fußball-Klubs Rapid und Austria haben sich am Sonntag im "Städteduell" mit ihren Grazer Kontrahenten GAK und Sturm durchgesetzt. Die Hütteldofer (20 Punkte) siegten im Hanappi-Stadion in numerischer Unterlegenheit gegen die "Rotjacken" (15) 2:1 und verteidigten damit nach der neunten Bundesliga-Runde die Tabellenführung erfolgreich. Erster Verfolger bleibt Erzrivale Austria (18) durch den 2:0-Auswärtserfolg gegen die "Blackies", für die ausgerechnet ihr früherer Star Ivica Vastic als zweifacher Torschütze zum Sargnagel wurde.

Verweigerter Handschlag

Aufregung herrschte im Hanappi-Stadion nach dem ersten Rapid-Sieg gegen den Double-Gewinner, der gegen die die Grünweißen zuvor vier Pflichtspiel-Siege in Serie gefeiert hatte, wieder einmal wegen einiger umstrittener Schiedsrichter-Aktionen. Trainer Josef Hickersberger beschwerte sich über die Gelb-Rote Karte für György Korsos und kritisierte, Schiedsrichter Bernhard Brugger sei bei harten Attacken des GAK nur halbherzig eingeschritten. Als Protest gegen ein schweres Foul von Emanuel Pogatetz an Siegestorschützen Tomas Dosek zeigte der frühere Teamchef dem "schwarzen Mann" eine selbst mitgebrachte "Gelbe Karte" mit Fair-Play-Aufschrift, worauf ihm Brugger nach dem Spiel prompt den Handschlag verweigerte.

Im Konflikt mit den Schiedsrichtern sieht sich Hickersberger nach eigenen Angaben nicht, auch wenn es bereits vor einer Woche im Heimspiel gegen die Admira (damals wurde er von Referee Konrad Plautz auf die Tribüne geschickt) zu gröberen Unstimmigkeiten mit dem Spielleiter gekommen war. "Die Schiris beschweren sich eben über mich, weil im Hanappi-Stadion Stimmung ist und ich nicht zur Westtribüne gehe und die Fans beruhige", meinte der Rapid-Coach.

Laut Hickersberger missachten die Schiedsrichter immer öfters die Bundesliga-Vorgabe, Spieler vor brutalen Fouls zu schützen. "Das wird so lange weitergehen, bis einer mit offenem Schienbeinbruch daliegt", ärgerte sich "Hicke", weiß aber auch: "Je mehr ich sage, desto schlimmer wird es uns treffen."

Johann Hantschk, Vorsitzender der Schiedsrichter-Kommission, war im Gegensatz zu Hickersberger mit der Leistung von Brugger zufrieden. "Über Gelb-Rot kann man diskutieren, aber sonst hat er das Spiel tadellos geleitet." Weniger gut gefallen hat ihm der verweigerte Händedruck nach Spielende. "Das hätte sich Brugger sparen können. Allein schon die Höflichkeit gebietet einen Handschlag", so Hantschk.

"Er heizt das Spiel mit seiner Theatralik und Gestik auf"

Hickersberger kam beim Schiri-Boss hingegen weniger gut weg. "Er heizt das Spiel mit seiner Theatralik und Gestik auf, wird immer mehr zum Showman, wahrscheinlich auch, weil er unter Druck steht", meinte Hantschk, der den Rapid-Betreuer nach eigenen Angaben schon öfters zur Besserung ermahnt hat. Der prinzipiellen Kritik von Hickersberger an den Unparteiischen wollte sich Hantschk nicht anschließen. "Natürlich passiert der eine oder andere Fehler, aber im Großen und Ganzen wurden die bisherigen Saison-Spiele gut geleitet."

Im Trubel um die Schiedsrichter-Leistung ging fast unter, dass ausgerechnet "Heimkehrer" Roman Kienast die Grün-Weißen mit seinem Tor zum 1:0 auf die Siegerstraße brachte. "Ein Super-Gefühl, gleich im ersten Spiel nach meiner Rückkehr zu treffen", freute sich der Stürmer, der auf Grund der angespannten Personalsituation bei Rapid (neben Markus Hiden, Garics, Ivanschitz und Feldhofer fehlten auch die beiden Angreifer Kincl und Lawaree) zurück nach Hütteldorf geholt wurde. Erlaubt ist das durch einen Sonderkooperationsvertrag mit dem Erstligisten Altach, für den Kienast in sechs Spielen vier Treffer erzielt hat.

Im Sommer hatte sich der ÖFB-U21-Teamspieler noch gegen seine Abschiebung nach Vorarlberg gewehrt, im Nachhinein aber wusste er die Maßnahme der sportlichen Leitung Rapids zu schätzen. "Dadurch habe ich Spielpraxis bekommen und Selbstvertrauen getankt. Mit meiner Leistung bin ich aber noch nicht ganz zufrieden. Ich weiß, ich kann mehr", so der 20-Jährige nach seinem ersten Liga-Treffer (im Cup hatte er schon zwei Mal seine Visitenkarte abgegeben) für die Hütteldorfer.

In der Retourpartie am kommenden Wochenende dürften Ivanschitz, Feldhofer und vielleicht auch Garics wieder dabei sein, weil aber Lawaree und Kincl für dieses Match noch ausfallen, bleibt Kienast vorläufig in Wien-Hütteldorf. "Wie es danach weitergeht, weiß ich noch nicht, ich hoffe aber, dass ich so lange wie möglich bei Rapid bleibe", sagte Kienast, der erst am Samstag das erste Training mit dem Rekordmeister nach seiner Rückkehr absolviert hatte.

Ivo Doppelpack

So wie im Hanappi-Stadion fühlte sich auch in der Schwarzenegger-Arena ein Heimkehrer pudelwohl. Die langjährige Sturm-Ikone Vastic schoss die Austria mit ihrem Doppelpack zum 2:0-Erfolg gegen die Grazer, die dadurch auf den vorletzten Tabellenplatz zurückfielen. "Für mich läuft es heuer besser als in der vorigen Saison. Ich spiele offensiver und kann deshalb meine Torgefährlichkeit besser ausspielen", war der Offensivspieler zufrieden und bedankte sich auch bei Goalie Didulica, der nun bereits seit 607 Minuten ungeschlagen ist.

Die Veilchen fuhren in den vergangenen sechs Pflichtspielen bei einem Torverhältnis von 18:0 sechs Siege ein, die Erfolgsserie fordert aber auch ihren körperlichen Tribut. "Meine Mannschaft war wirklich ausgelaugt und ich bin froh, dass das zweite Tor so früh gefallen ist", sagte Sportmanager Günter Kronsteiner. Bei Sturm krankte es wie schon während der ganzen Saison u.a. an der mangelnden Chancenauswertung. "Wenn man das Tor nicht trifft, ist eine Niederlage unvermeidlich", so der zerknirschte Trainer Michael Petrovic. (APA)

  • Die Austria-Spieler bedanken sich bei den mitgereisten Fans.

    Die Austria-Spieler bedanken sich bei den mitgereisten Fans.

  • Hickersberger, immer sehr emotional.

    Hickersberger, immer sehr emotional.

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