Norwegen: Hunderte Kirchen könnten verkauft werden

22. September 2004, 16:29
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Lutheranischer Kirchenrat lässt Gotteshäuser auf Besuchshäufigkeit prüfen

Oslo - In Norwegen droht möglicherweise Hunderten Kirchen der Verkauf und sogar der Abriss. Vergangene Woche traf der norwegische Kirchenrat - das höchste Beschlussfassungsorgan der lutheranischen Staatskirche - die Entscheidung zur Überprüfung, wie viele der insgesamt 1.620 Kirchen des Landes noch ausreichend häufig besucht werden. In dem Beschluss heißt es ausdrücklich, dass beurteilt werden soll, ob eine still zu legende Kirche abgerissen, verkauft oder eine andere Verwendung gefunden werden kann.

Derzeit ist unklar, wie viele Kirchen tatsächlich von einem eventuellen Abriss bedroht sind. Ausdrücklich davor geschützt sind per Gesetz lediglich 170 Stein- und 28 so genannte Stabkirchen aus Holz. Weitere 760 Gotteshäuser sind als erhaltenswert eingestuft. Letzteren, die meisten davon vor 1850 erbaut, gilt die größte Sorge der norwegischen Denkmalschützer.

Enge Verbindung mit Staat

Das norwegische Kirchenministerium sieht die geplante Maßnahme dagegen positiv und als wichtigen Beitrag zum sinnvollen Einsatz von finanziellen Ressourcen. Auch glaubt man im Ministerium nicht, dass tatsächlich viele Kirchen abgerissen werden könnten, da für diesen Schritt die einzelnen Gemeinden selbst die Initiative ergreifen müssten.

Die Lutheranische Kirche ist in Norwegen - stärker als heute in Finnland und Schweden - immer noch auf das Engste mit dem Staat verbunden. Im benachbarten Schweden entschied man vor vier Jahren, als die Trennung von Kirche und Staat gesetzlich verankert wurde, dass alte Kirchen im Staatseigentum verbleiben und auch mit staatlichen Mitteln erhalten werden müssen. Eine ähnliche Regelung strebt die Kirche auch in Norwegen an. (APA)

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