Schütze schrieb vor Blutbad in Wien Entschuldigungsbrief

22. September 2004, 11:41
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Zustand der Ex-Freundin "relativ stabil" - Zweite Verletzte wurde schon aus dem Spital entlassen

Wien - Vor dem Blutbad in Wien-Floridsdorf hat der Schütze einen Brief an seine Mutter verfasst, in dem er sich für die Tat entschuldigt. Das Schreiben ist in der Wohnung des Täters gefunden worden, sagte Major Roland Frühwirth von der Kriminaldirektion 1. Der 51-jährige Ronald B. habe darin die Familie auch gebeten, sich um den Sohn seiner langjährigen Lebensgefährtin zu kümmern. Sonntagabend fügte er dann Karin G. eine schwere Schussverletzung zu, tötete einen Mann und verletzte eine weitere Frau, ehe er Selbstmord beging.

Auslöser dürfte gewesen sein, dass Ronald B. erfuhr, dass seine ehemalige Lebensgefährtin seit kurzem einen neuen Freund hat. Der Hausmeister und die Heimhilfe hatten sich erst vor kurzem getrennt. Laut Polizei war der Mann bisher kein Gewalttäter.

Erste Schüsse fallen

Ronald B. war am Sonntag gegen 19.30 Uhr zu seiner Ex-Freundin Karin G. (36) in einen Gemeindebau in der Bunsengasse gekommen. Nach einem kurzen Streit an der Wohnungstür fielen die ersten beiden Schüsse. Karin G. wurde im Unterleib getroffen. Danach feuerte der 51-Jährige aus kurzer Distanz auf die übrigen drei Mitglieder der Pokerrunde im Wohnzimmer.

Walter R. (50), ein guter Bekannter von Karin G., starb durch einen Schuss ins Gesicht. Seine neben ihm sitzende Freundin Susanne B. (40) wurde durch den gleichen Schuss aus einer doppelläufigen, abgesägten Schrotflinte getroffen und im Halsbereich verletzt.

Falscher Abzug

Auch auf den neuen Freund seiner Ex-Lebensgefährtin zielte Ronald B., und er drückte auch ab. Aber es löste sich zunächst kein weiterer Schuss. "Es handelt sich um ein doppelläufiges Gewehr mit zwei Abzügen. Vermutlich hat der Täter den falschen Abzug gezogen", sagte Frühwirth - jenen, dessen Lauf bereits leer geschossen war. Der 46-jährige Robert L. überlebte wahrscheinlich nur durch diesen Irrtum.

Der Schütze rannte aus der Wohnung und beging im Stiegenhaus Selbstmord. Insgesamt fielen bei der Bluttat vier Schüsse. Nach dem Angriff auf seine ehemalige Partnerin musste der Schütze erst einmal die Patronen wechseln und neu laden. Die Waffe besaß er illegal.

Kryptische Ankündigung

In seiner Wohnung hatte Ronald B. einen Brief hinterlassen, in dem er die Tat kryptisch ankündigt. In erster Linie bittet er darin aber seine Mutter um Verzeihung für das, "was jetzt passieren wird", und darum, sich um den elfjährigen Sohn seiner Ex-Freundin zu kümmern. Zu dem Buben habe der Mann "eine gute Vater-Sohn-Beziehung" gehabt, sagte Frühwirth. Das Kind hatte sich auch vor der Bluttat in der Wohnung des 51-Jährigen aufgehalten und sogar den Brief gesehen, konnte sich aber auf den Inhalt keinen Reim machen.

Der Elfjährige befindet sich vorerst bei seinem leiblichen Vater, er und seine Schwester (15) werden psychologisch betreut. Denn während Susanne B. am Montag das Spital verlassen hat, bedarf Karin G. noch länger ärztlicher Betreuung. "Ihr Zustand ist nach einer Notoperation laut dem behandelnden Arzt relativ stabil. Es besteht keine unmittelbare Lebensgefahr", so Frühwirth.(APA)

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