Asien wird zum Langfrist-Investment

30. September 2004, 13:33
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Mellon: Schwankungen, aber Wachstum

Investieren in Asien verliert zunehmend den Beigeschmack des hohen Risikos, sagen Investoren. Und das, obwohl viele Fragen offen sind: Die Chinesische Wirtschaft ist überhitzt, wird die Blase platzen, oder schwächt sich die Konjunktur langsam ab? Was ist mit dem Aufschwung in Japan?

"Wir halten Asien für die langfristige Wachstumsregion weltweit und gehen davon aus, dass die Produktionsverlagerungen in die Region anhalten werden", sagen Jason Pidcock und Jeff Munroe, die gemeinsam den 541 Mio. Dollar schweren Mellon Asian Equity Fonds verwalten. Dadurch würde auch die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen innerhalb der Region steigen, kurzfristig rechnen sie aber mit Kursschwankungen.

Inflationsängste

Im August kletterte die Inflation in China auf ein Siebenjahreshoch, was zu Kurseinbrüchen an der Börse in Schanghai führte. Ab 2005 soll sich die Wachstumsrate auf acht Prozent einpendeln, schätzen Ökonomen beim Economist Intelligence Unit (EIU) in London. Die chinesische Regierung ist bemüht, Investitionen besonders in der Stahlindustrie und im Immobilienbereich einzudämmen, eine erste Zinsanhebung seit neun Jahren scheint möglich.

Japans Bruttoinlandsprodukt soll laut EIU-Prognosen heuer um rund 4,2 Prozent steigen, so viel wie seit 14 Jahren nicht mehr. Diese Rate sei aber nicht zu halten, da die Nachfrage nach japanischen Exporten aus den USA und China nachlassen werde, so die Experten. Dennoch ist die Deflation vorerst Geschichte, Pleiten ebben ab, und die Arbeitslosigkeit sinkt. Auch im Bankensektor greifen Reformen.

Asien sei "defensiver" geworden, sagt Pidcock, was bedeutet, dass die Gewinnentwicklung der Unternehmen stabiler wird und Anleger langfristig investiert bleiben. Besonders Finanzinstitute würden vom Aufschwung profitieren wie die in London und Hongkong notierten Standard Chartered und HSBC. Auch eine australische Versicherung QBE ist bei Mellon im Portfolio sowie Public Bank, eine Malaysische Bank mit Kunden in Hongkong. Auch im Telekommunikationssektor werden weiterhin gute Erträge erzielt, so Pidcock.

Die steigende Inflation werde in Form von Preiserhöhungen an den Kunden weitergegeben, gleichzeitig erhöhten sich die Kosten aber nur langsam. Philippine Long Distance Telecom, China Mobile und Telekom Malaysia sind seinem Portfolio.

Aufgrund der Inflationsängste meidet Pidcock derzeit China und ist hauptsächlich in Hongkong, Singapur und Malaysia investiert. Der EIU erwartet für die Vereinigung Südostasiatischer Staaten (Asean) ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von fünf Prozent. "Mögliche Probleme der Märkte sollten als Chance angesehen werden, Positionen aufzubauen", raten die Mellon-Fondsmanager. (Nadja Hahn, Der Standard, Printausgabe, 20.09.2004)

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